Next Nature Network und die Ausstellung „Meat the Future“

„The time has come to start a debate about the future of meat.“

 

Virtuelle Welten, gedrucktes Essen, lebende Städte, Fleisch aus dem Reagenzglas – der Mensch ist so sehr umgeben von Technologie, dass das Team des Next Nature Network diese als unsere next nature, unsere nächste Natur ansieht. Und obwohl oder eben gerade weil Technologie schon unsere natürliche Umgebung geworden ist, bezeichnet sich das Next Nature Network als Naturorganisation des 21. Jahrhunderts, die sich zur Natur hin entwickeln will – nicht zurück zur Natur. Dafür organisieren sie Ausstellungen und regen Debatten an, aber auch Publikationen und Produkte, die Biologie und Technologie in Einklang miteinander bringen sollen. Ihre Projekte sind visionär und zukunftsgerichtet, oft befassen sie sich mit Thematiken und Produkten, die noch gar nicht auf dem Markt sind: So beispielsweise der Nano-Supermarkt, eine Ausstellung, bei der die Besucher Produkte betrachten können, die eventuell in den nächsten Jahren tatsächlich im regulären Supermarkt erhältlich sein werden – von appetitlich-wunderschön bis erschreckend-gruselig ist alles dabei. Aber auf jeden Fall immer so designed, dass sie zur Diskussion anregen. Oder die WiFi Angels, eine App, die elektromagnetische Strahlung hörbar macht. Die Wlan-Netzwerke der Umgebung werden zu einem Chor singender Engel…

Somit ist es wenig verwunderlich, dass sich das Next Nature Network auch mit In-vitro-Fleisch auseinandersetzt. Nach der Devise „The time has come to start a debate about the future of meat“ sind in der Ausstellung Meat the Future im Cube Design Museum in Kerkrade, Niederlande, die Exponate aus In-vitro-Fleisch gefertigt – und das in den unterschiedlichsten und innovativsten Varianten. Gestrickt, als bunte Magic Meatballs oder in der Form urzeitlicher Dodo-Nuggets: Hier bleibt keine Fleischfantasie unerfüllt. Bis vielleicht auf die des gewöhnlichen Schnitzels.

Die Ideen und Rezepte, die in der Meat the Future-Ausstellung umgesetzt sind, finden sich auch im In Vitro Meat Cookbook, das ebenfalls vom Next Nature Network herausgegeben wird. Dinosaurier-Schenkel? In-vitro-Austern? Tierleidfreie Foie Gras? Kein Problem mehr. Das In Vitro Meat Cookbook zeigt eine ganz neue Essenskultur – für die Zeit, wenn In-vitro-Fleisch ein herkömmliches Lebensmittel auf unseren Speiseplänen geworden ist. Es führt auf, in wie vielen Geschmacksrichtungen, Farben und Konsistenzen In-vitro-Fleisch hergestellt werden kann: als Kebab, als Sashimi, als schälbare Wurst oder rollbarer Schinken – um nur wenige davon zu nennen. Das In Vitro Meat Cookbook beinhaltet aber nicht nur In-vitro-Gerichte, sondern auch visionäre Vorstellungen, wie sich die Welt und unser aller Zusammenleben durch In-vitro-Fleisch verändern könnte. Vielleicht hat dann jede Gemeinde ein Schwein im Garten, von dem die Stammzellen für den Fleischkonsum aller Einwohner gewonnen werden? Und in jeder privaten Küche steht ein kleiner Bioreaktor, der aus den Stammzellen das Steak wachsen lässt? Auch zur Bekämpfung des Welthungers finden sich spezielle Produkte: Disaster Bars, In-vitro-Proteinriegel, die aber ebenso für die Trekkingreise durch den Dschungel geeignet sind. Ob sich alle diese Ideen irgendwann in die Tat umsetzen lassen? Wer weiß. Die passenden Rezepte sind jedenfalls schon da.