Akteure

Ein wichtiger Teil unseres Projektes ist die sogenannte Akteursanalyse: Welche Personen, Organisationen, Institutionen und Firmen beschäftigen sich mit dem Thema In-vitro-Fleisch? Wir möchten Ihnen auf dieser Seite einen kleinen Überblick geben.

Innovatoren und Start-ups

Als Innovatoren bezeichnen wir diejenigen Akteure, die an In-vitro-Fleisch forschen oder die Forschung und Entwicklung an In-vitro-Fleisch fördern. Dazu zählen auch Start-ups, also neu gegründete Unternehmen, die die Produktion und Vermarktung von In-vitro-Fleisch zum Ziel haben. Es gibt auch eine Reihe von gemeinnütizgen Organisationen bzw. Non-Profit-Organisationen, die Forschungsprojekte unterstützen.

Cultured Beef & Mosa Meat | Mark Post & Peter Verstrate (Maastricht, Niederlande)

Unter der Leitung von Mark Post wurde an der Universität Maastricht in den vergangenen zehn Jahren die Forschung zu In-vitro-Fleisch massiv vorangetrieben. 2013 gelang dem wissenschaftlichen Team der große Durchbruch und der erste In-vitro-Fleisch-Burger der Welt konnte öffentlich verkostet werden (das Video dazu und weiteres Material von Cultured Beef und Mark Post finden Sie unter Media). Cultured Beef sagt über sich selbst, den ersten ausschlaggebenden Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Alternative zur herkömmlichen Fleischproduktion gemacht zu haben.

Um den Weg zu einem marktreifen Produkt schneller gehen zu können, haben Mark Post & Peter Verstrate ein Start-up gegründet – Mosa Meat (lat. ‚mosa‘ = Maas). Mit Mosa Meat soll es einfacher gelingen, Gelder zu bekommen und so die Forschung zu beschleunigen.

Mosa Meat will be the company that is going to produce Cultured Meat in the future.

http://culturedbeef.org/

https://www.brightlands.com/companies-institutes/mosameat


Cultured Steak & Future Farm Lab | Abi Glencross (King’s College London, GB)

Abi Glencross ist derzeit Doktorandin am King’s College der Universität London. Den ersten Kontakt mit In-vitro-Fleisch hatte die studierte Chemieingenieurin bei einem Projekt zusammen mit Dr. Marianne Ellis vom Zentrum für Regenerative Medizin der Universität Bath. Ab diesem Zeitpunkt begeisterte sich Glencross für das Forschungsthema. Mit der Hilfe von In-vitro-Fleisch-Pionier Mark Post und Lucy Di-Silvio vom King’s College sammelte sie Fördergelder für ihr Forschungsprojekt. Finanziert von New Harvest forscht sie am Department Tissue Engineering & Biophotonics des King’s College an Cultured Steak. Glencross arbeitet an einer Methode, um Muskelgewebe einfacher größer als 0,5 Milimeter wachsen zu lassen

Zusammen mit einer Biologin und einer Wissenschaftsjournalistin gründete sie das Kollektiv Future Farm Lab. Das inzwischen sehr vielfältige Team besteht aus „scientists, artists, farmers, engineers and experience designers whose aim is to reshape the food system by putting farmers back at the centre of it.“ (siehe auch unser Blogbeitrag über Future Farm Lab).

http://www.futurefarmlab.com/


Memphis Meats (San Francisco Bay Area, USA)

Uma Valeti, Nicholas Genovese und Will Clem sind die Gründer des Start-ups Memphis Meats aus San Francisco. Das 2015 ins Leben gerufene Unternehmen stellt bereits in kleinen Mengen In-vitro-Fleisch aus Stammzellen von Kühen, Schweinen und Hühnern her. Sie möchten ihre Produkte – Burger, Würstchen, Hot Dogs und Fleischbällchen – zusammen mit Rezepten von preisgekrönten Köchen entwickeln.

Auf ihrer Website präsentieren sie sich als führende Mitglieder der „clean meat“-Bewegung, die Lösungen für Umweltschädigungen, Tierleiden sowie mit Antibiotika und Fäkalien verunreinigte Nahrungsmittel finden möchte. Unterstützt werden sie unter anderem von der Non-Profit-Organisation The Good Food Institute (GFI).

Im Februar 2016 zeigten die jungen Unternehmer in einem Video das erste Fleischbällchen aus dem Labor und im März 2017 die Verkostung des ersten In-vitro-Geflügelfleisches:

http://www.memphismeat.com/


Modern Meadow | Gabor & Andras Forgacs (New York, USA)

Modern Meadow ist ein Start-up, das sich auf die Produktion von In-vitro-Tierprodukten spezialisiert hat und diese mit umweltschonenden Methoden umsetzen will. Unter anderem arbeitet das Team an der Herstellung von In-vitro-Leder. Einen Vortrag von Geschäftsführer Andras Forgacs finden Sie unter Media; ebenso ein Video zu Gabor Forgacs, dem Vorstand für Forschung und Entwicklung.

http://www.modernmeadow.com/


New Harvest | Isha Datar (New York, USA)

New Harvest ist eine Non-Profit-Organisation, die sich auf die Förderung der Produktion von tierfreien Fleisch- und Milchprodukten spezialisiert hat. Laut eigener Aussage ist die Vision der Non-Profit-Organisation eine Zukunft, in der Massentierhaltung durch wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt abgeschafft ist. Geschäftsführerin von New Harvest ist Isha Datar, die die Vision von New Harvest auch in die Öffentlichkeit trägt. Sie wirbt für eine „post-animal bioeconomy“, eine Wirtschaft, in der tierische Lebensmittel nachhaltig aus Zellkulturen gezüchtet werden, statt Tiere dafür schlachten zu müssen. Dazu möchte New Harvest ein neues Forschungsfeld erschließen und fördern: Die „cellular agiculture“ („Zelluläre Landwirtschaft“), welche die herkömmliche Landwirtschaft der Massentierhaltung ersetzen soll.

Einige ihrer Vorträge finden Sie unter Media. Auf der Website von New Harvest finden sich in der Rubrik ‚Berater‘ auch einige bekannte Gesichter aus der In-vitro-Fleisch-Forschung wieder, wie zum Beispiel Mark Post von Cultured Beef oder Andras Forgacs von Modern Meadow.

Thanks to cellular agriculture, we can produce eggs, milk, meat, and more without intensive crop and animal farming. Unfortunately, this nascent field is not well supported by existing research funding mechanisms. This is where New Harvest comes in. Our goal is to plant the seeds of this crucial new field of research.

http://www.new-harvest.org/


Shojinmeat Project (Japan)

Shojinmeat Project ist eine japanische Non-Profit-Organisation, die daran arbeitet, In-vitro-Fleisch preiswert im industriellen Maßstab produzierbar zu machen. Das Team besteht aus fünf sogenannten „Biohackern“ – nicht unbedingt ausgebildete Biologen mit selbst aufgebauten Laboren –, einem Chemiker und mehreren Beratern sowie Experten verschiedener Disziplinen. Es kooperiert mit anderen Organisationen, um der Öffentlichkeit die Idee einer „cellular agriculture“ näherzubringen: Einer Landwirtschaft, die durch Züchtung von Zellen im Labor stattfindet. Die Organisation finanziert sich größtenteils über Kunstprojekte und Spenden.

Culture and sustainability comes at the heart of our mission. We earnestly strive to achieve sustainable food.

Bisher ist es Shojinmeat Project gelungen, die Kosten von zuvor teurem Nährmedium für die Herstellung von Leberzellen drastisch zu reduzieren. Weitere Interessen des Projektteams reichen von regenerativer Medizin bis hin zu Landwirtschaft im Weltraum. Mehr darüber können Sie im Blogbeitrag zu Shojinmeat Project nachlesen.

https://www.shojinmeat.com/


SuperMeat (Tel Aviv, Irsael)

Das Team um die Gründer Koby Barak, Ido Savir und Yaakov Nahmias ist ein israelisches Start-up, das an regenerativen Technologien arbeitet, mit denen aus von Hühnern entnommenen Zellen Hühnerfleisch herangezüchtet werden soll. Mit ihrem Ansatz möchte SuperMeat die Fleischindustrie revolutionieren und ein Produktionsnetzwerk aufbauen: Sie arbeiten an der Entwicklung kleiner Fleischproduktionsmaschinen, die irgendwann in Restaurants, Supermärkten oder sogar bei den Konsumenten Zuhause aufgestellt werden könnten, um das Hühnerfleisch lokal herzustellen.

Mit einer Online-Spendenkampagne werben sie für ihre Vision und haben damit bis jetzt rund 230.000 US-Dollar Spenden gesammelt. Ihr offizielles Ziel ist es, schon im Juli 2021 erste Hühnerfleischprodukte auf den Markt zu bringen.

SuperMeat is powered by an ideologically and scientifically driven effort to create a humane, animal-free solution for nutritional security, which will drastically reduce carbon emissions and increase food safety worldwide.

http://supermeat.com/


The Good Food Institute | Bruce Friedrich (Washington D.C., USA)

The Good Food Institute (GFI) ist eine gemeinnützige Organisation, die sich auf die Entwicklung von In-vitro-Fleisch und pflanzlichen Alternativen fokussiert. Zusammen mit der Risikokapitalfonds-Gesellschaft New Crop Capital (NCC) fördern sie seit Februar 2016 etablierte Unternehmen oder investieren in Start-ups, die diese Vision teilen, und unterstützen sie etwa im Marketing, Design oder unternehmerischen Anliegen.

Der Geschäftsführer von The Good Food Institute, Bruce Friedrich, ist gleichzeitig Gründungspartner von New Crop Capital. Unter anderem fördert die Organisation das Start-up Memphis Meats in San Francisco.

Everything that the GFI does is lined up to make plant-based and clean meat, dairy, and eggs as convenient, delicious, and price competitive as possible.

http://www.gfi.org/


The Modern Agriculture Foundation (Tel Aviv, Israel)

The Modern Agriculture Foundation unterstützt die Forschung an In-vitro-Fleisch und anderen Formen moderner Nahrungsmittelproduktion. Zusammen mit Wissenschaftlern untersuchten die Non-Profit-Organisation beispielsweise, wie realisierbar eine kommerzielle Produktion von In-vitro-Hühnerfleisch ist.

Our aim ist to raise awareness and funds for research of clean meat.

http://en.futuremeat.org/


 

Wissenschaftler

Neben den Innovatoren gibt es auch eine Reihe von Wissenschaftlern, die sich im Rahmen ihrer Forschung mit der Weiterentwicklung oder den bisherigen und möglichen Auswirkungen der In-vitro-Fleisch-Technologie beschäftigen. Sie kommen aus den verschiedensten Disziplinen von Bioingenieurwesen bis hin zu Soziologie.

Carolyn Mattick (Arizona State University, USA)

Carolyn Mattick forscht an der Arizona State University zu den Themen Nachhaltigkeit und Erneuerbare Energien. In diesem Zusammenhang veröffentlichte sie bereits einige Studien und Berichte über In-vitro-Fleisch. In einer ihrer Studien, „An Anticipatory Social Assessment of Factory-Grown Meat“ (2015), analysierte sie mithilfe von Gruppeninterviews mit Experten aus verschiedenen Disziplinen die möglichen Auswirkungen der Technologie auf die Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Insgesamt sehen die dabei ergründeten Zukunftsszenarien eher durchwachsen aus.

Given the potential impact of global consumption, it’s worth exploring the opportunities and drawbacks of new products and technologies before we start building factories, designing logos, and getting late-night cravings for dodo nuggets.

Clemens Driessen (Universität Wageningen, Niederlande)

Clemens Driessen ist Wissenschaftler am Institut für Kulturelle Geographie der Unviersität Wageningen. Der promovierte Philosoph veröffentlichte 2014 den Forschungsartikel „Pig Towers and In Vitro Meat: Disclosing Moral Worlds by Design“, der den Moral-enthüllenden Charakter von Technologie-Visionen behandelt. Er forschte speziell an den Visionen von In-vitro-Fleisch sowie von vertikaler Landwirtschaft – eine Technologie, die durch mehrstöckige Gebäude Landwirtschaft in Ballungsgebieten von Städten möglich machen soll. Driessen untersuchte, wie solche Visionen soziale Bedenken und Diskussionen auslösen und die politische und moralische Debatte verändern.

Even before fully entering our world as actually realized systems or commercially viable products, these technologies disclosed societal concerns over animal agriculture.

Cor van der Weele (Universität Wageningen, Niederlande)

Cor van der Weele ist eine niederländische Wissenschaftlerin und Professorin, die an der Universität Wageningen lehrt und forscht. Ihre Fachgebiete sind Ethik, angewandte Philosophie und Biologie. Sie interessiert sich vor allem für die ethischen Aspekte des Fleischkonsums und der In-vitro-Fleischtechnologie. So arbeitete van der Weele bereits an mehreren Studien und Aufsätzen, in welchen sie zum Beispiel die entgegengesetzten Gefühle und dabei erzeugten Spannungen untersuchte, die der Fleischkonsum und die Art der Fleischproduktion bei Menschen hervorrufen.

Eine ihrer Studien aus dem Jahr 2016, „When Indifference is Ambivalence“, zeigt etwa, dass viele Konsumenten die problematischen Aspekte verbunden mit Fleisch gezielt ausblenden oder ignorieren. In In-vitro-Fleisch sieht sie eine Lösung dieser Spannungen. Van der Weele setzte sich außerdem mit dem Einfluss auseinander, den die Technologie auf die Gefühle und das Verhalten der Menschen haben könnte. Demnach hält sie In-vitro-Fleisch mit ethischen Zielen vereinbar, vorausgesetzt, die Herstellung gelänge mit einem Nährmedium, das frei von tierischen Komponenten ist.

In einem Interview spricht sie über ihre Forschung und setzt sich mit kritischen Argumenten von Veganern auseinander.

We need to use our imagination now that eating meat is becoming more and more problematic from an ethical perspective.

Hanna Tuomisto (London School of Hygiene and Tropical Medicine, GB)

Die Wissenschaftlerin Hanna Tuomisto forscht derzeit an der London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM) und beschäftigt sich mit Themen wie nachhaltige Ernährung und Umweltveränderungen.

2011 veröffentlichte sie zusammen mit Joost Teixeira de Mattos eine Studie über die möglichen Auswirkungen einer Massenproduktion von In-vitro-Fleisch auf die Umwelt. Unter anderem zeigt die Studie beim Vergleich des Energie- und Wasserverbrauchs einer Erzeugung von 1000 kg in vitro hergestelltem Rindfleisch mit der gleichen Menge an herkömmlichem Fleisch einen geringeren Verbrauch an diesen Ressourcen. Ihre Studie „Environmental Impacts of Cultured Meat Production“ (2011) wird innerhalb der Debatte um In-vitro-Fleisch viel zitiert.


Marianne Ellis (Universität Bath, GB)

Marianne Ellis forscht und lehrt an der Fakultät für Ingenieurwesen und Design an der Universität Bath in Großbritannien. Zudem ist sie stellvertretende Direktorin des Zentrums für Regenerative Medizin. In einer Forschungsgruppe zu Bioverfahrenstechnik arbeitet sie an der Entwicklung und Optimierung von speziellen Bioreaktoren und Zellgerüsten, um damit etwa auch Muskelzellen von Tieren in großem Maßstab züchten zu können. Sie ist Mitglied bei New Harvest und widmet daher einen Teil ihrer Forschung der In-vitro-Fleischherstellung.

Auf der Website von New Harvest erzählt sie in einem Interview unter anderem über ihre Forschungsarbeit.


Neil Stephens (Brunel Universität London, GB)

Der Soziologe Neil Stephens arbeitet am Institut für Umwelt, Gesundheit und Gesellschaften der Brunel Universität in London. Sein Forschungsfeld deckt die Bereiche Wissenschafts- und Technikforschung sowie kulturelle Soziologie ab. Seit 2008 arbeitet er an einem Projekt über In-vitro-Fleisch: Es erforscht die Art und Weise, wie Auffassungen und Ideen über die Bedeutung von In-vitro-Fleisch entstehen, die mit den sozialen Welten zusammenhängen, in denen es eine Rolle spielt. Hierfür führte er bereits über 40 Interviews mit verschiedenen Experten des Forschungsfelds durch und besuchte Konferenzen. Außerdem ist Neil Stephens Mitherausgeber des Buches „What is In Vitro Meat? Food Phreaking“ aus dem Jahr 2015.

Exploring the promises of what in vitro meat (IVM) can do is an interesting business. […] I want to show that each of these promises contains a particular vision for what IVM is. My interest is not in being pro or anti IVM, instead I want to write a history of the present, recording what happens in a sociologically interesting way.

Vim Werbeke (Universität Gent, Niederlande)
Der Chef des Instituts für Landwirtschaftliche Ökonomie der Universität Gent in den Niederlanden, Vim Werbeke, ist Professor für Ernährungswissenschaften. Er war bereits Herausgeber mehrerer Forschungsartikel, die die Reaktionen und Haltungen von Konsumenten gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln behandeln. In einer der Studien aus dem Jahr 2015 mit dem Titel „Would you eat cultured meat?“ befragte er in Zusammenarbeit mit weiteren Forschern etwa 180 Konsumenten in Belgien, Portugal und Großbritannien nach ihrer Bereitschaft, In-vitro-Fleisch zu essen. In einer weiteren Studie untersuchte Werbeke, ob Verbraucher einer westlichen Gesellschaft Insekten als Alternative zu Fleisch akzeptieren könnten.

Initial reactions when learning about cultured meat were underpinned by feelings of disgust and considerations of unnaturalness. Consumers saw few direct personal benefits but they were more open to perceiving global societal benefits relating to the environment and global food security.

 

Kunstprojekte

Auch einige Künstler beschäftigen sich mit der Vision von In-vitro-Fleisch. So reflektieren sie etwa über ethische und gesellschaftliche Aspekte oder die Technologie an sich und setzen ihre Ideen zu kreativen Zukunftsszenarien künstlerisch um.

Chloé Rutzerveld (Eindhoven, Niederlande)

Die niederländische Food-Designerin Chloé Rutzerveld vermittelt mit ihren Kunstprojekten Ideen, wie mit neuen Technologien unser Essen zukünftig gesünder und nachhaltiger gestaltet werden könnte.

Nachdem sie ihr Bachelorstudium des Industriellen Designs an der Technischen Universität Eindhoven abschloss, begann die Künstlerin 2013 unter anderem das Kunstprojekt „In Vitro ME“: In Ausstellungen zeigt sie ein Amulett, in welchem – angeschlossen an den eigenen Blutkreislauf – aus dem Körper entnommenes Muskelgewebe für den Verzehr kultiviert wird. Es soll Fleischessern die Verantwortung aufzeigen, die ihr Fleischkonsum, aber auch ganz allgemein ihre Ernährungsweise, auf ihren Lebensstil hat. Außerdem soll es ein Bewusstsein schaffen für ethische Fragen zu Kannibalismus sowie zur Zukunft des Fleisches.
Ihre Kunstprojekte wurden bereits in diversen Museen ausgestellt. Rutzerveld ist Mitglied der Naturorganisation Next Nature Network, die „In Vitro ME“ in ihrem In Vitro Meat Cookbook verewigten. Zudem hält die Food-Designerin regelmäßig Vorträge über ihre Vision von einer zukünftigen Ernährung.

http://www.chloerutzerveld.com/


The Tissue Culture and Art Project | Ionat Zurr und Oron Catts (Perth, Australien)

Das Künstlerpaar Ionat Zurr und Oron Catts gründete 2000 das künstlerische Forschungslabor „SymbioticA“ an der Universität von West-Australien. Dort setzten sie bereits das „Tissue Culture & Art Project“ (TC&A) und weitere Projekte um, bei denen es darum geht, mit der Biotechnologie Tissue Engineering im Labor gewachsene Gewebe in ein künstlerisches Umfeld zu bringen. In mehreren Ausstellungen präsentierten Zurr und Catts unter anderem Flügel aus Zellen von Schweineknochen, eine Lederjacke aus Mäusegewebe oder ein „halblebendiges“ Steak aus Froschzellen, das in einem Bioreaktor kultiviert wurde.

Das Ziel der Künstler ist es, etablierte Vorstellungen vom Leben und der Identität zu hinterfragen und die ethischen Aspekte hinter den streitigen Zukunftsszenarien aufzuzeigen.

These evocative objects are a tangible example that brings into question deep rooted perceptions of life and identity, concept of self, and the position of the human in regard to other living beings and the environment.

The Tissue Culture and Art Project


Next Nature Network (Amsterdam, Niederlande)

The time has come to start a debate about the future of meat.

Technologie als unsere „nächste Natur“ – so beschreibt das Next Nature Network den heutigen Zustand, in welchem die Menschen rundherum von Technologie umgeben sind. Die Naturorganisation möchte nach vorne schauen in eine Zukunft, in der Technologie und Natur eins geworden sind. Gründer ist der niederländische Philosoph Koert van Mensvoort. Das internationale Netzwerk organisiert unter anderem Ausstellungen und regt Debatten über das Ausmaß an, das die Technologie in unserem Alltag bereits hat und in Zukunft noch haben wird.

In ihrer Kunstausstellung „Meat the Future“ setzt sich das Team mit der Essenskultur auseinander, die mit In-vitro-Fleisch entstehen könnte. Die Exponate sind im Cube Design Museum in Kerkrade, Niederlande, zu betrachten. Daneben stellte das Team des Netzwerks ein Kochbuch zusammen, das aus 45 Rezepten besteht. All diese Rezepte können derzeit noch nicht gekocht werden – stattdessen wird damit eine kulinarische Zukunftswelt offenbart, in der In-vitro-Fleisch ein gewöhnliches Nahrungsmittel auf unseren Speiseplänen geworden ist.

Diese Vision wird in einem weiteren Projekt des Next Nature Networks weitergeführt: Das Bistro In Vitro, das bisher fiktive und weltweit erste Restaurant, das In-vitro-Fleisch anbietet. Vier Chefköche sollen die Gerichte zukünftig kochen. Von tierleidfreiem Foie Gras als Aperitif über Dodo-Nuggets als Hauptspeise bis hin zu In-vitro-Eiscreme als Dessert dürfen sich die Besucher der Webseite des Bistros verschiedenste Menüs zusammenstellen. Und sofern sie rechtzeitig reservieren, können Mutige noch für das Jahr 2028 einen Tisch reservieren, um die Gerichte zu probieren. Mehr über die Projekte des Next Nature Networks erfahren Sie in unserem Blogbeitrag.

https://www.nextnature.net/


The Future of Meat (Niederlande)

Die Installation „The Future of Meat“ haben die Geschwister Madelaine und Anna Berlis aus den Niederlanden ins Leben gerufen. Sie soll bald in Deutschland und den Niederlanden gezeigt werden. In der Ausstellung wird in fünf Räumen jeweils ein Ernährungsszenario vorgestellt: Wie könnte die Welt im Jahr 2050 aussehen, wenn sich die Menschen von Insekten, In-vitro-FleischAusstellung über Ernährungsszenarien, weniger und ausschließlich lokalem Fleisch oder fleischfrei ernähren würden oder wenn sich am Fleischkonsum nichts ändern würde? Mit diesen Szenarien wollen die Künstler den Besuchern die möglichen Auswirkungen auf die Natur, Landwirtschaft und den Menschen aufzeigen. Statt künftiges Handeln vorzuschreiben, soll die „The Future of Meat“-Installation zum Nachdenken und zu Diskussionen über nachhaltige Ernährung anregen.

Also, by clarifying some of the possible roads that meat consumption may take, we hope that we can motivate people to act in a way that will help make their ideal future a reality.

Mehr dazu finden Sie in unserem Blogbeitrag über die Ausstellung.

http://thefutureofmeat.com/


The Tissue Culture and Art Project | Ionat Zurr und Oron Catts (Perth, Australien)

Das Künstlerpaar Ionat Zurr und Oron Catts gründete 2000 das künstlerische Forschungslabor „SymbioticA“ an der Universität von West-Australien. Dort setzten sie bereits das „Tissue Culture & Art Project“ (TC&A) und weitere Projekte um, bei denen es darum geht, mit der Biotechnologie Tissue Engineering im Labor gewachsene Gewebe in ein künstlerisches Umfeld zu bringen. In mehreren Ausstellungen präsentierten Zurr und Catts unter anderem Flügel aus Zellen von Schweineknochen, eine Lederjacke aus Mäusegewebe oder ein „halblebendiges“ Steak aus Froschzellen, das in einem Bioreaktor kultiviert wurde.

Das Ziel der Künstler ist es, etablierte Vorstellungen vom Leben und der Identität zu hinterfragen und die ethischen Aspekte hinter den streitigen Zukunftsszenarien aufzuzeigen.

These evocative objects are a tangible example that brings into question deep rooted perceptions of life and identity, concept of self, and the position of the human in regard to other living beings and the environment.

The Tissue Culture and Art Project


 

Tierrechtsorganisationen

Hier finden Sie Organisationen und Stiftungen, die sich mit den ethischen Aspekten von In-vitro-Fleisch auseinandersetzen. Entsprechend ihrer Überzeugungen und Interessen sprechen sie sich für oder gegen eine Förderung von In-vitro-Fleisch aus.

PETA – People for the Ethical Treatment of Animals (weltweit)

Die internationale Tierschutzorganisation PETA unterstützt die Vision von In-vitro-Fleisch, was sich unter anderem an der regelmäßigen Berichterstattung über den aktuellen Stand der Forschung zeigt. 2008 hat sie einen Wettbewerb zur Herstellung von In-vitro-Hühnchen ausgeschrieben. Dieser ging 2014 ohne Gewinner aus, wurde von der Organisation selbst aber trotzdem als Erfolg gewertet. Als April-Scherz wurden 2008 „victimless“ Newkirk-Nuggets aus den Stammzellen von PETA-Präsidentin Ingrid Newkirk präsentiert.

http://www.peta.org/


Sentience Politics (Berlin, Deutschland; Basel, Schweiz)

Sentience Politics, ein Projekt der Stiftung für Effektiven Altruismus (EAS), veröffentlichte 2016 ein Positionspapier, in welchem sich die Gruppe für eine Förderung und Beschleunigung der Produktion von In-vitro-Fleisch ausspricht. Sentience Politics ist antispeziesistisch ausgerichtet und engagiert sich für eine Gesellschaft, in der die Interessen aller empfindungsfähigen Wesen gleichermaßen vertreten werden, ohne dass Artzugehörigkeit eine Rolle spielt.

Die Gruppe verknüpft die In-vitro-Fleischproduktion mit potentiell erheblichen Vorteilen gegenüber der herkömmlichen Fleischerzeugung, erkennt aber auch an, dass noch große Herausforderungen bei der weiteren Entwicklung der Technologie überwunden werden müssen.

Angesichts der potentiell enorm großen Vorteile für das Wohlergehen von Tieren und Menschen sind wir davon überzeugt, dass es eine sinnvolle Investition ist, die Produktion von kultiviertem Fleisch zu beschleunigen.

In unserem Blog finden Sie auch einen Beitrag zu ihrem Positionspapier.

http://www.sentience-politics.org/


 

Alternative Proteinquellen

Außer den Akteuren, die die Herstellung von In-vitro-Fleisch fördern und technisch weiterentwickeln, gibt es auch solche, die sich für andere Wege einsetzen, um den Konsum von herkömmlichem Fleisch und die damit verbundenen Probleme einzudämmen. Das sind vorwiegend Start-ups, die Lebensmittel in Form pflanzlicher Ersatzprodukte oder tierischer Proteinquellen als Alternativen zu Fleisch anbieten.

Beyond Meat (Los Angeles, USA)

Das Start-up Beyond Meat bietet Fleischersatz an, der aus rein pflanzlichen Zutaten wie Soja- und Erbsenproteinen besteht. Der Gründer Ethan Brown verfolgt zusammen mit seinem Team damit seit 2009 das Ziel, die Produkte marktfähig zu machen und auf diese Weise den Klimawandel, die menschliche Gesundheit und das Wohl der Tiere nachhaltig positiv zu beeinflussen.

In das Unternehmen investierten bereits einige bekannte Investoren, darunter der Microsoft-Gründer Bill Gates, die Human Society of the United States als die weltgrößte Tierschutzorganisation, aber auch Tyson Food, ein führender Fleischfabrikant in den USA.

Das erste Produkt „Beyond Chicken“ brachte Beyond Meat 2012 auf den Markt. Derzeit sind die Produkte in einer großen Supermarkt-Kette in den USA erhältlich.

http://beyondmeat.com/


Bugfoundation (Osnabrück, Deutschland)

„Changing the Game“ – Das ist das Motto des deutschen Start-ups Bugfoundation. Das junge Team um die Gründer Max Krämer und Baris Özel wird von der EU finanziert und designt seit Februar 2014 als erstes deutsches Unternehmen Nahrungsmittel aus Insekten, die es bereits auf dem belgischen Markt und bald auch in den Niederlanden verkauft – in den meisten Ländern der EU ist der Verkauf von verarbeiteten Insekten momentan noch verboten. Ihr sogenannter BuxBurger enthält 43% Buffalowurm.

Eines unserer Ziele ist es, eine weitere Kategorie neben Fleisch, Fisch oder der vegetarischen Ernährung aufzustellen. (Max Krämer)
http://bugfoundation.com/


Impossible Foods (San Francisco, USA)

Impossible Foods ist ein Start-up aus Redwood City bei San Francisco, das Patrick O. Brown 2011 gründete. Mit der Frage, warum Fleisch so schmeckt wie Fleisch, analysiert das Team seitdem die molekulare Zusammensetzung, um es so perfekt wie möglich aus ausschließlich pflanzlichen Inhaltsstoffen nachzuahmen. Das  „pflanzenbasierte Fleisch“, wie Brown es nennt, besteht aus Zutaten wie Kartoffeleiweiß, Sojaprotein und Leghämoglobin aus Hülsenfrüchten. Das Ziel des Start-ups ist es, mit ihren Produkten Fleisch einmal komplett zu ersetzen und damit viele Ressourcen zu sparen und die Umwelt zu schonen. Bisher ist ihr Produkt „Impossible Burger“ nur in ausgewählten Restaurants in den USA verfügbar, soll aber bald auch in Supermärkten oder online angeboten werden.

Compared to cows, the Impossible Burger uses 95% less land, 74% less water, and creates 87% less greenhouse gas emissions. And it’s 100% free of hormones, antibiotics, and artificial ingredients.

https://www.impossiblefoods.com/


 

Sonstige

Unter dieser Rubrik werden weitere Akteure aufgelistet, die in keine der oberen Rubriken passen, sich aber dennoch mit In-vitro-Fleisch auseinandersetzen.

Bioland (Mainz, Deutschland)

Bioland ist der größte deutsche, ökologische Anbauverband mit Sitz in MainzBioland, dessen Mitglieder nach strengen Richtlinien ökologischen Landanbau betreiben. Der 1971 gegründete Verband umfasst etwa 6200 Erzeugerbetriebe. Produkte mit dem Bioland-Siegel stammen aus einer Landwirtschaft ohne synthetische Pestizide oder chemische Stickstoffdünger und aus artgerechter Tierhaltung.

Bioland äußerte sich in seinem Online-Magazin Im Fokus im November 2016 kritisch zu In-vitro-Fleisch und spricht der Technologie eher Nachteile als Vorteile zu. So prognostiziert der Geschäftsführer des Bereichs Agrarpolitik und Kommunikation, Gerald Wehde, In-vitro-Fleisch würde zum einen von der Gesellschaft gar nicht akzeptiert werden und zum anderen auch gesundheitlich nicht vorteilhafter sein als konventionelles Fleisch. Mehr dazu können Sie auch in unserem Blogbeitrag über die Stellungnahme lesen.

80 Prozent der Deutschen lehnen gentechnisch veränderte Lebensmittel und 70 Prozent das Klonen von Nutztieren ab. Weshalb sollten sie dann genetisch identisches Fleisch, also geklonte Burger kaufen?

http://www.bioland.de/