Bioland: Fleisch aus dem Labor im Fokus

Der Bioland-Verband für ökologischen Landanbau widmete der Forschung von In-vitro-Fleisch im November 2016 mehrere Beiträge. In seinem Online-Magazin Im Fokus setzt sich der Verband kritisch mit dem Thema auseinander. Einer der Geschäftsführer, Gerald Wehde, sieht die Technik nicht als Lösung an und kann sich kaum vorstellen, dass die Gesellschaft „Fleisch aus dem Labor“ bald akzeptieren wird.

Bioland hat aktuell über 6200 Mitglieder, darunter Landwirte, Winzer und Gärtner. Der Anbauverband möchte für nachhaltige Landwirtschaft, Klimaschutz und artgerechte Tierhaltung stehen und setzt sich für diese und weitere Ziele ein. So ist es nicht verwunderlich, dass sich auch Bioland zu In-vitro-Fleisch äußert, welches von einigen Wissenschaftlern derzeit als eine mögliche Lösung für die Probleme der heutigen Fleischproduktion und des Fleischkonsums diskutiert wird.

In-vitro-Fleisch: Problem statt Lösung?

In einer Stellungnahme im Online-Magazin von Bioland äußerte sich Gerald Wehde zur neuen Technologie. Der Geschäftsführer im Bereich Agrarpolitik und Kommunikation sieht Fleisch, das im Labor hergestellt wird und in wenigen Jahren auf den Markt gebracht werden soll, eher als Problem statt als Lösung an. Er argumentiert, dass der Großteil der Bevölkerung gegen Gentechnik in Lebensmitteln oder das Klonen von Nutztieren ist und daher auch „Kunst-Fleisch“ nicht akzeptieren würde. Aus Wehdes Sicht stellt es keine Verbesserung dar, wenn die Weideflächen der Tiere durch die Erzeugung von In-vitro-Fleisch frei werden würden. 2/3 dieser Fläche seien ohnehin nicht für den Anbau von Nahrungsmitteln für Menschen geeignet und eine Umwandlung in Ackerland würde viel umweltschädliches CO2 freisetzen.

Nicht einmal gesundheitlich spricht er In-vitro-Fleisch einen Vorteil zu: Mit der Züchtung im Labor könnte das Fleisch bald noch billiger im Handel angeboten werden und der Fleischkonsum dadurch noch weiter steigen – und damit auch die Folgekosten durch die gesundheitlichen Probleme, die die Fehlernährung mit zu viel Fleisch verursacht.

Sein Fazit lautet daher, dass die Zukunft nur eine artgerechte Nutztierhaltung weltweit sein kann:

Eine Kuh könnte zwölf Jahre leben – statt der heute vier bis fünf Jahre – und in dieser Zeit Milch geben. Am Lebensende wird sie geschlachtet und zu leckeren Burgern verwertet. Das wäre nicht nur ethisch das Richtige, sondern auch ökologisch und ökonomisch sinnvoll. Das würde auch die Akzeptanz für Tierhaltung wieder erhöhen.

Wie realistisch ist das Ziel der In-vitro-Fleischhersteller?

Bioland sprach außerdem in einem Interview mit dem Medizinprofessor Stefan Jockenhövel über die Themen Tissue Engineering und In-vitro-Fleisch. Jockenhövel forscht am Institut für Angewandte Medizintechnik der Uniklinik Aachen und leitet dort eine Abteilung, die im Labor Herzklappen aus menschlichen Zellen der Patienten entwickelt.

Als er das erste Mal von der neuen Technologie zur Fleischherstellung hörte, konnte er sich kaum vorstellen, dass man Fleisch im Labor für den Massenkonsum züchten könnte.

Am Anfang habe ich gelacht, als ich von den Plänen hörte. Wir hatten ja schon Mühe, eine Herzklappe herzustellen, und dann wollte da jemand Fleisch für den Massenkonsum züchten. (…) Den Mut der Kollegen, in diese Richtung zu gehen, bewundere ich sehr.

Dass Unternehmen wie SuperMeat in Israel oder das US-Start-Up Memphis Meats planen, schon in wenigen Jahren In-vitro-Fleisch-Produkte massenhaft im Handel anzubieten, sieht Jockenhövel als sehr ambitioniert an. Sein Institut setzte sich schon vor 16 Jahren das Ziel, zehn Jahre später erste Herzklappen auf den Markt zu bringen – dieses Ziel haben sie bis heute nicht erreicht.