Citizens‘ Jury zu In-vitro-Fleisch: Bürger & Experten im Dialog

Am 19. und 20. Mai 2017 fand die Citizens‘ Jury des VIF-Teams zu In-vitro-Fleisch statt. 11 interessierte Bürgerinnen und Bürger im Alter von 18 bis 25 Jahren waren anwesend, um Vorträge zum Thema In-vitro-Fleisch von drei Experten mit unterschiedlichen Überzeugungen anzuhören und gemeinsam ins Gespräch zu kommen. Zudem stellten zwei Künstlerinnen aus den Niederlanden ihr Kunstprojekt „The Future of Meat“ vor. Als Abschluss erarbeiteten die Teilnehmenden ein Thesenpapier über verschiedene Aspekte von In-vitro-Fleisch. Eine Bürger-Jury ist ein partizipatives Verfahren, das im Rahmen des Forschungsprojekts Visionen von In-vitro-Fleisch (VIF) stattfand. Die Ergebnisse fließen in wissenschaftliche Publikationen ein und werden bei der Formulierung forschungspolitischer Optionen für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) berücksichtigt.

Vorträge und Diskussionen mit den Experten

Im Stuhlkreis – die Experten beantworten Fragen der Teilnehmer, Foto: Marlene Faul

Die Citizens‘ Jury startete am Freitag mit einer kurzen Runde zum Kennenlernen und einer Präsentation des VIF-Teams zur Einführung in das Thema In-vitro-Fleisch. Im Anschluss konnten die drei Experten den Teilnehmenden jeweils einen Einblick in die Thematik aus ihrer Sichtweise geben. Mit dabei war Dr. Kurt Schmidinger, ein Geophysiker und Lebenswissenschaftler aus Wien, der 2005 die Internet-Plattform Future Food ins Leben rief. Mit der Webseite möchten er und sein Team global über pflanzliche Alternativen zu Tierprodukten wie Fleisch, Milch und Eiern informieren. Auch Stefan Torges präsentierte seine Perspektive. Er ist Co-Geschäftsführer des Projektes Sentience Politics, das einen Teil der Stiftung für Effektiven Altruismus (EAS) bildet. Das Projekt setzt sich für eine Gesellschaft ein, in der alle empfindungsfähigen Wesen gleichermaßen berücksichtigt werden. Torges stellte aus der Sicht von Tieren vor, was sich für sie nach der Einführung von In-vitro-Fleisch verändern würde. Als dritter Vortragender war Gerald Wehde eingeladen. Der Geschäftsleiter im Bereich Agrarpolitik und Kommunikation ist zugleich Pressesprecher des größten deutschen ökologischen Anbauverbandes Bioland. Er ist der Meinung, In-vitro-Fleisch habe keine Zukunft, und setzt sich stattdessen für eine umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft ein.

Ein weiterer Experte, Dr. Florian Groeber-Becker, war ebenfalls eingeladen, sein Thema vorzustellen –  er war jedoch leider verhindert. Dr. Groeber-Becker ist Biologe am Translationszentrum „Regenerative Therapien für Krebs- und Muskoskelettale Erkrankungen“ (TKMZE) des Fraunhofer Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB) in Würzburg. Dort forscht er als Gruppenleiter der Abteilung „Standardisierte In-vitro-Systeme“ an der Technik des Tissue Engineering. Mit seinem Team entwickelt er zellbasierte Therapien zur Heilung von Wunden und Krankheiten. Der Experte wollte über Tissue Engineering informieren und sein Fazit zur Umsetzbarkeit von In-vitro-Fleisch geben.

Zwischen den einzelnen Vorträgen und nach einer Kaffeepause bekamen die Teilnehmenden die Möglichkeit, den Experten Fragen zu stellen und mit ihnen zu diskutieren. Bevor die Experten sich verabschiedeten, gaben sie jeweils in einigen Sätzen ein Abschlussplädoyer zu ihren Anliegen rund um das Thema Fleischkonsum und In-vitro-Fleisch.

Als letzten Punkt des Tages gingen die Teilnehmenden in eine Themensammlung für die Gruppenarbeit über, welche für den darauffolgenden Tag angesetzt war. Zur Versorgung gab es ein Buffet mit veganen Burgern und Fingerfood.

„The Future of Meat“ – Szenarien über die Zukunft des Fleisches

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Die Welt im Jahr 2050: Madelaine und Anna Berlis zeigen fünf Szenarien der Ernährung, Foto: Marlene Faul

Der nächste Tag begann mit dem Kunstprojekt „The Future of Meat“, das die Geschwister Madelaine und Anna Berlis – extra angereist aus den Niederlanden – präsentierten. Die Künstlerinnen zeigten den Teilnehmenden Filme, die sie als Teil ihrer Installation bereits in den Niederlanden, Deutschland und den USA ausstellten. Die Kurzfilme stellten jeweils fünf Szenarien vor, wie die Welt im Jahr 2050 aussehen könnte, wenn sich Menschen von Insekten oder von In-vitro-Fleisch ernährten, weniger und ausschließlich lokales Fleisch oder sogar fleischfrei äßen, oder wenn die Menschen am Fleischkonsum wiederum gar nichts ändern würden. Mit ihrer Präsentation regten die Geschwister zum Nachdenken an und führten die Diskussion über nachhaltige Ernährung mit den Teilnehmenden fort.

Wie könnte In-vitro-Fleisch die Welt verändern?

Kann In-vitro-Fleisch einen Beitrag zu einer Lebensmittelproduktion leisten, die besser für Mensch, Tier und Umwelt ist als die herkömmliche? Diese und weitere Fragen waren Teil des Arbeitsauftrags, den die Teilnehmenden als letzten Punkt der Citizens‘ Jury gemeinsam erarbeiteten.

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Die Teilnehmer stellen ihre Gruppenarbeit vor,   Foto: Marlene Faul

Nach einer Pause und der Verabschiedung der Künstlerinnen gingen die Teilnehmenden in Gruppendialoge über. Mithilfe der am vorigen Tag zusammengetragenen Aspekte besprachen sich die Gruppen, um dem VIF-Team ihre Einschätzung zu In-vitro-Fleisch zu geben. Die Ergebnisse aus der Diskussion werden an das BMBF weitergeleitet. Als Ausklang des Tages und Abschluss einer erfolgreichen Citizens‘ Jury gab es Kaffee und Kuchen.

Auf diesem Wege bedankt sich das gesamte VIF-Team nochmals bei den Teilnehmenden für die Unterstützung und die spannenden Diskussionen.

Weitere Informationen finden Sie auf den folgenden Webseiten: