Memphis Meats serviert das erste In-vitro-Gefluegelfleisch

25 geladenen Gästen wurde letzten Monat in San Francisco etwas bisher Einzigartiges serviert: Das weltweit erste In-vitro-Geflügelfleisch, wahlweise zubereitet als frittiertes Hähnchen oder Ente in Orangensoße. Dahinter steckt das US-Start-up Memphis Meats, das die Nachricht über die Herstellung dieser Weltneuheit am 15. März 2017, einen Tag nach der Verkostung, bekannt gab. Das Unternehmen präsentierte im Februar 2016 bereits das erste In-vitro-Fleischbällchen aus Rinderstammzellen, nun gelang ihnen das gleiche auch mit Zellkulturen von Hühnern und Enten.

Das Unternehmen Memphis Meats stellte auch ein Video auf seine Webseite, das die Zubereitung und Reaktionen bei der anschließenden Verkostung des In-vitro-Fleisches zeigen. „Alle 25 Tester nannten das Fleisch ‚lecker‘“ heißt es darin. Zwar empfanden einige die Textur als etwas „schwammiger“, wie das Wall Street Journal in einem weiteren Video berichtet, trotzdem schmeckte ihnen das Fleisch aus dem Labor fast so gut oder genauso gut wie herkömmliches. Das ist ein großer Fortschritt im Vergleich zum ersten Hamburger, den der niederländische Forscher Mark Post 2013 präsentierte.

Hühnchen ist in den USA das meist konsumierte Fleisch, in anderen Ländern geht der Trend in eine ähnliche Richtung. Mit ihrer Technologie will Memphis Meats, wie es noch eine Handvoll anderer Unternehmen versucht, die Fleischindustrie grundlegend verändern. Sie hoffen, mit einer Massenproduktion von In-vitro-Fleisch in naher Zukunft die konventionelle Fleischherstellung zu ersetzen und die damit einhergehenden Umweltschäden, gesundheitlichen Probleme und das Tierleiden enorm verringern. „Wir wollen Fleisch auf einem besseren Weg produzieren, so dass es lecker, erschwinglich und nachhaltig ist“, erklärt Uma Valeti in der offiziellen Pressemitteilung von Memphis Meats. Er ist der Mitbegründer sowie Chef des Start-ups und auch in dem Video zu sehen.

Knapp 9000 US-Dollar kostet die Herstellung von einem Pfund Hühnchen im Labor bisher noch. Diesen Preis wollen Valeti und sein Team aber noch drastisch senken: Sie planen ihre Produkte bis 2021 auf den Markt zu bringen und die Kosten durch eine Produktion in größerem Maßstab bis dahin weiter stark reduzieren zu können.

Aber wäre die breite Öffentlichkeit überhaupt bereit, In-vitro-Fleisch zu essen? Eine neue Studie in den USA befragte online etwa 670 US-Bürger: Zwar konnten sich über 60 Prozent gut vorstellen, In-vitro-Fleisch zu probieren, aber nur ein Drittel wäre bereit, es wahrscheinlich regelmäßig zu essen und damit herkömmliches Fleisch zu ersetzen. Die Befragten empfanden die Vorstellung von Fleisch aus dem Labor generell unnatürlich und weniger ansprechend als herkömmliches Fleisch, erkannten aber auch die Vorteile von In-vitro-Fleisch an, unter anderem, dass das Tierleiden gestoppt und die Erderwärmung reduziert werden könnte.