Fokusgruppen erfolgreich durchgeführt

Wie an dieser Stelle schon mehrfach zu lesen war, sollen im Forschungsprojekt Visionen von In-vitro-Fleisch (VIF) Bürgerinnen und Bürger mithilfe von partizipativen Verfahren in den Forschungsprozess eingebunden werden. Aus diesem Grund fanden in der vorletzten September-Woche wie geplant die sogenannten Fokusgruppen statt.

Was sind Fokusgruppen?

Inge Böhm in der Rolle als Expertin, Foto: André Thielen

Bei einer Fokusgruppe handelt es sich um eine Gesprächsrunde, in der sich die Teilnehmer mit einem Produkt befassen und sich darüber austauschen. Dieses kann bereits auf dem Markt vorhanden sein – genauso kann aber auch über die Vision einer Innovation, die noch nicht umgesetzt ist oder noch am Anfang ihrer Entwicklung steht, diskutiert werden. Demnach bietet sich das Verfahren einer Fokusgruppe an, um unterschiedliche Meinungen über die Vision „In-vitro-Fleisch“ zu erheben.

Das Gespräch wird in der Regel von einem Moderator strukturiert, damit sichergestellt werden kann, dass alle Aspekte besprochen werden. Dieser hält sich jedoch so weit es geht zurück, damit der Austausch frei bleibt. Für Rückfragen und Erläuterungen steht ein Experte zur Verfügung, den die Teilnehmer jederzeit zu Rate ziehen können.

Mit der Organisation der Fokusgruppen im Rahmen des Forschungsprojekts Visionen von In-vitro-Fleisch (VIF) wurde eine Marktforschungsagentur beauftragt. An zwei Abenden traten jeweils zehn Teilnehmer zusammen und tauschten sich über ihre Meinungen zu In-vitro-Fleisch aus. Anwesend waren je ein Drittel Allesesser, Vegetarier sowie Veganer. Am ersten Abend handelte es sich ausschließlich um Bewohner einer deutschen Großstadt, am zweiten waren nur Bewohner ländlicherer Gegenden vor Ort. Die Moderation des Gesprächs übernahm Silvia Woll, Inge Böhm fungierte als Expertin für spezielle Rückfragen zu In-vitro-Fleisch.

Fleischkonsum zu hoch

In den intensiven Gesprächen wurde deutlich, dass der gegenwärtige Fleischkonsum ein ernstzunehmendes Thema ist, über das viel nachgedacht und diskutiert wird. Dass der übermäßige Verzehr von Fleisch in unserer Gesellschaft ein Problem darstellt, stritten auch die Teilnehmer nicht ab, die Fleisch als Nahrungsmittel zu sich nehmen.

In-vitro-Fleisch wurde als mögliche Lösung dieses Problems allerdings skeptisch betrachtet. Zwar sahen die Teilnehmer darin einen plausiblen Ansatz, den Missständen in der Fleischproduktion entgegenzuwirken, allerdings wurde auch die Gefahr angesprochen, dass die Innovation den Fleischkonsum nur noch weiter steigern könnte. Es kam daher der Vorschlag auf, In-vitro-Fleisch weniger als eine Lösung, sondern vielmehr als einen Denkansatz zu sehen – eine Möglichkeit, das Bewusstsein für die Problematiken des Fleischkonsums zu stärken.

Ernährung als Erziehungsthema

Ohnehin lag ein Fokus in beiden Gruppen auf den Themenbereichen Erziehung und Bildung. Ernährungsthemen sollten mehr in Lehrpläne integriert werden, aber auch zu Hause sollte die Ernährung als wichtiger Bestandteil des menschlichen Alltags stärker thematisiert und reflektiert werden. Kinder könnten heute oft nicht mehr einschätzen, wo die Herkunft der Nahrungsmittel liege und wie deren Herstellung ablaufe.

Entsprechend skeptisch äußerten sich die Teilnehmer auch gegenüber der Vorstellung, das tägliche Essen könne zukünftig aus dem 3D-Drucker kommen. Die Idee, Nahrungsmittel auf diese Weise zu Hause maschinell zu verarbeiten, wirkte abschreckend und unvorstellbar.

Zukunftsvision „In-vitro-Fleisch“ schwer vorstellbar

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Silvia Woll als Moderatorin einer Fokusgruppe, Foto: André Thielen

Generell fiel es den Teilnehmern schwer, sich einen Alltag mit In-vitro-Fleisch vorzustellen. In den Augen der Teilnehmer stecke die Innovation dafür noch zu sehr in den Kinderschuhen. Es stellten sich viele offene Fragen, die teilweise unbeantwortet bleiben mussten. So wurde etwa die Muskelbiopsie zur Zellentnahme als Methode hinterfragt und ob dabei wirklich kein Tierleid entstünde.

Auch wegen solcher Fragen lassen sich die Fokusgruppen insgesamt als wichtiger Bestandteil des Forschungsprojektes ansehen. Die erfolgreiche Durchführung und die vielen Ergebnisse können nun in den weiteren Forschungsprozess einfließen und einen entscheidenden Beitrag bei der Erforschung der Visionen von In-vitro-Fleisch leisten.

Wir danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf diesem Weg noch einmal für ihre Unterstützung.