Nachhaltige Landwirtschaft und die Zukunft tierischer Nahrungsmittel – Fachtagung in Wittenberg

Achtung: Noch bis 2. Mai 2017 können Sie an einer Bürgerbefragung zur europäischen Agrarpolitik im Zuge der Modernisierung und Vereinfachung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) teilnehmen. Die Initiative „Living Land“ der europäischen Umweltverbände (in Deutschland: BUND, DNR, NABU, WWF) unterstützt Sie bei der Teilnahme.

Es ist allerhöchste Zeit, dass die Diskussion um die Zukunft der Agrarsubventionen gesellschaftlich breit geführt wird. Denn die Frage, wie gesund und nachhaltig unsere Lebensmittel produziert werden, geht uns alle an und darf nicht länger Lobbyisten und Agrarpolitikern alleine überlassen werden. Die schädlichen Auswirkungen der intensiven Landwirtschaft wurden viel zu lange ignoriert. Jetzt besteht die Chance, eine neue und zukunftsorientierte Landwirtschafts- und Ernährungspolitik aufzubauen, die von der gesamten Gesellschaft getragen wird. Sie könnte weltweit zum Vorbild werden. Diese Chance muss die EU nutzen. http://www.living-land.de

Wie kann Landwirtschaft nachhaltig gestaltet werden? Unter dem Titel „Nachhaltige Landwirtschaft und die Zukunft tierischer Nahrungsmittel“ fand am 21. und 22. April 2017 eine Fachtung an der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt in der Lutherstadt Wittenberg statt. Eingeladen waren ExpertInnen unterschiedlichster wissenschaftlicher Disziplinen, u.a. aus dem Umweltbundesamt (UBA), der Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik, der Universität Greifswald (Lehrstuhl für Nachhaltigkeitswissenschaft und Angewandte Geographie) und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Auf der Tagung wurden verschiedene Lösungsansätze zu den drängendsten durch die Landwirtschaft und insbesondere durch die Fleischproduktion verursachten Umwelt- und Klimaprobleme diskutiert. Die anwesenden WissenschaftlerInnen waren sich darüber einig, dass die Umgestaltung der Landwirtschaft sowie des Konsums tierischer Lebensmittel sofort und radikal erfolgen muss, um die verheerenden Folgen für Klima, Umwelt, Mensch und Tier annähernd in den Griff zu bekommen. Das ambitionierte 2°-Ziel (Begrenzung der globalen Erwärmung auf weniger als 2°C Celsius gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts) , das auf der Klimakonferenz in Paris 2016 festgelegt wurde, stünde in einem widersprüchlichen Verhältnis zu den wenigen konkreten Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen. Der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung adressiert zwar die starke Umweltbelastung durch die intensive Landwirtschaft, geht dabei aber vor allem auf Maßnahmen zur Verringerung der Nitratbelastung (im Rahmen einer Novellierung der Düngeverordnung) ein. Der Verstoß gegen die europäische Nitratrichtlinie war gegen Ende des letzten Jahres Thema in den Medien. Die Reduktion der Tierbestände sowie Halbierung des Fleischkonsums als notwendige Maßnahme zur Verbesserung der Situation, wie sie im Klimaschutzplan 2050 der deutschen Zivilgesellschaft deutlich gefordert werden, tauchen im Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung jedoch nicht auf. Insgesamt erweckten die Vorträge den Eindruck, als gäbe es viele gute Ideen, den Wandel zu gestalten, die im Laufe des politischen Prozesses verlorengehen.

Das VIF-Team stellte im Rahmen der Tagung die Innovation In-vitro-Fleisch vor. Die Frage, inwiefern diese technologische Innovation einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Landwirtschaft beitragen könnte, wurde in einem Vortrag kritisch beleuchtet. In-vitro-Fleisch wird von den Innovatoren als plausible technologische Lösung für die zahlreichen Probleme der heutigen Fleischproduktion und des Fleischkonsums vorgestellt. Es bleibt jedoch offen, ob In-vitro-Fleisch tatsächlich als umweltfreundliches, tierfreundliches, gesundes und sicheres Produkt auf den Markt kommen wird. Fest steht jedoch, dass es eine Vielzahl an Lösungen geben muss, um die Probleme der heutigen Fleischproduktion und des Fleischkonsums zu lösen.