Frohe Weihnachten | Neue Impact-Studie zum Ernährungswandel

VIF wünscht frohe Weihnachten! Zum Abschluss des Jahres stellen wir eine Überblicksstudie vor, die Auswirkungen einer Umstellung der Ernährungsgewohnheiten auf den Ausstoß von Treibhausgasen, den Wasserverbrauch, die Bodennutzung und die menschliche Gesundheit zu überblicken versucht.

Forscher des Department of Population Health an der London School of Hygiene & Tropical Medicine haben Anfang November eine Studie zu den Auswirkungen einer Umstellung von Ernährungsgewohnheiten auf den Ausstoß von Treibhausgasen, den Wasserverbrauch, die Bodennutzung und die menschliche Gesundheit veröffentlicht. Es handelt sich bei der Veröffentlichung um ein Review, also eine Publikationsform, die einen Überblick über bereits vorliegende Forschungsergebnisse schaffen und eine Einordnung ermöglichen soll.

Die Ergebnisse der Studie lassen erkennen, dass die größte Begünstigung für die meisten untersuchten Faktoren in einer Umstellung zu einer Ernährung mit weniger oder gar keiner tierhaltigen Nahrung liegt. In-vitro-Fleisch wurde in der Studie allerdings noch nicht als alternative Diät herangezogen – das liegt unter anderem daran, dass noch völlig unklar ist, wie eine Produktion von In-vitro-Fleisch im großen Maßstab ausfallen und welche Umweltauswirkungen sie haben würde.

Anlass zur Untersuchung

Anlass für die Studie gibt eine Vielzahl von Einzelstudien, die Teilbereiche der Ernährung fokussieren und Umweltfolgen abschätzen. Diese nehmen aber häufig unterschiedliche geographische Ebenen und nur Teilbereiche der Ernährung in den Blick. Die Überblicksstudie der Londoner Forscher versucht nun unterschiedliche Studien mit regionaler, nationaler oder globaler Ausrichtung vergleichbar zu machen.

Die Autoren halten zu Beginn des Reviews noch einmal fest, was bereits bekannt und an vielen Stellen belegt ist: Der Agrarsektor ist für 30% der Treibhausgase und 70% des Trinkwasserverbrauchs verantwortlich und nimmt für die Produktion von tierbasierten Nahrungsmitteln über ein Drittel des kultivierbaren Lands in Anspruch. Es steht außer Frage, dass eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten Einfluss auf Umwelt und Gesundheit nehmen kann – fraglich ist jedoch, welche Ernährungsweise das in welchem Ausmaß tut.

Eine wirklich nachhaltige Ernährung ist eine große Herausforderung, bei der viele verschiedene Kriterien erfüllt werden müssen. Laut der Gesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (The United Nations Food and Agriculture Organization, FAO) ist eine Ernährungsweise dann nachhaltig, wenn folgende Kriterien erfüllt werden: Sie muss gesund, umweltfreundlich, aber auch bezahlbar und kulturell akzeptierbar sein. Vor allem die beiden erstgenannten Kriterien werden allerdings häufig nicht in nationale Ernährungsrichtlinien integriert, da der Politik belastbare Daten für die entsprechenden Entscheidungen fehlen.

Angewandte Methodik

Um die Datenlage aufzubereiten und eine Zusammenfassung des aktuellen Forschungsstandes zu ermöglichen, haben die Londoner Forscher die vorliegende Überblicksstudie erarbeitet. Die große Maße an Studien zum Einfluss von Ernährungsweisen musste zunächst jedoch reduziert werden. Deshalb wurden vor allem nur solche Studien ausgewertet, die Veränderungen von gesamten Ernährungsweisen in Zahlen dokumentierten. Studien dagegen, die nur ein bestimmtes Nahrungsmittel fokussierten und keinen Vergleich zwischen verschiedenen Ernährungsweisen ermöglichten oder solche, die eine Reduzierung von tierbasierten Nahrungsmitteln gar nicht berücksichtigten, wurden ebenso von der Überblicksstudie ausgeschlossen, wie Studien, die entsprechende wissenschaftliche Kriterien nicht vollständig erfüllten.

Ergebnisse vegane Ernährung reduziert Ausstoß von Treibhausgasen

Auf diesem Wege konnten nun 63 Studien identifiziert werden, die Auswirkungen von Änderungen im menschlichen Ernährungsverhalten aufzeigten. Insgesamt wurden 14 nachhaltige Ernährungsweisen in den Studien vorgeschlagen. Die bekanntesten darunter waren etwa eine vegetarische oder vegane Ernährung, Fleisch von Wiederkäuern durch Fleisch von Monogastriern (Lebewesen mit nur einem Magen) zu ersetzen oder sich an eine mediterane oder nordische Diät zu halten.

Der größte Nutzen für die Umwelt resultierte der Überblicksstudie zufolge aus Ernährungsweisen, in denen Fleischkonsum oder der Konsum von tierbasierten Nahrungsmitteln am stärksten reduziert wurde:

„The largest environmental benefits across indicators were seen in those diets which most reduced the amount of animal-based foods, such as vegan (…), vegetarian (…), and pescatarian (…).“The Impacts of Dietary Change on Greenhouse Gas Emissions, Land Use, Water Use, and Health: A Systematic Review

Eine vegane Ernährung habe der Studie zufolge den größten positiven Einfluss auf den Ausstoß von Treibhausgasen und die Bodennutzung. Das einfache Ersetzen von Fleisch durch Milchprodukte würde sich dagegen kaum bemerkbar machen. Eine der 63 Studien kam jedoch auch zu dem Ergebnis, dass eine vegane Ernährung neben positiven Auswirkung auf den Treibhausgasausstoß gleichzeitig den Wasserverbrauch massiv erhöhe.

Bezogen auf die menschliche Gesundheit hält die Überblicksstudie bezüglich aller alternativen Ernährungsweisen ausschließlich positive Auswirkung auf das Sterberisiko fest. Am stärksten wirke sich hier eine vegane Ernährung aus.

Grenzen und Chancen der Studie

An einigen Stellen zeigt die Studie damit sogenannte „Trade-offs“ auf. Bestimmte Ernährungsweisen könnten die Umweltbelastung nur verlagern, nicht aber nachhaltig verbessern. Ein höherer Wasserverbrauch könnte resultieren, wenn die Kalorien, die zuvor vom Fleisch herrührten vollständig durch alternative Nahrungsmittel ersetzt werden sollten – gleichzeitig könnten Treibhausgasemission jedoch gesenkt werden.

Die Ergebnisse der Überblickstudie sind jedoch nur bedingt belastbar und stellenweise eingeschränkt. Aufgrund der Unterschiede zwischen den untersuchten Studien konnten statistische Methoden nur bedingt angewandt werden. Auch eine Betrachtung der unterschiedlichen Autorenbiographien, die stets Einfluss in die Erstellung von Studien nehmen,  konnte nicht in die Untersuchung einfließen.

Dennoch deuten die Ergebnisse Tendenzen an, die Orientierungshilfen für weiteres Handeln sein können. Vor allem die oben schon angedeuteten positiven Auswirkungen einer veganen Ernährung seien dabei genannt, aber auch weitere erkennbare Tendenzen:

(…) vegan diets having greater reductions in GHG emissions than vegetarian; greater benefits from reducing meat and dairy consumption compared to meat alone; and replacing meat with dairy having little benefit.The Impacts of Dietary Change on Greenhouse Gas Emissions, Land Use, Water Use, and Health: A Systematic Review

Trotz dieser teilweise aussagekräftigen Ergebnisse betonen die Londoner Forscher auch, dass eine Umstellung der Ernährung alleine nicht direkt zu den prognostizierten Veränderungen führen könne. Es gelte den größeren Zusammenhang eines Ernährungswandels ebenfalls in den Blick zu nehmen und damit auch die Produktion, Aspekte der Gesundheit und Kultur, sowie die Preispolitik zu fokussieren. Kurz gesagt: Es werden mehr Daten benötigt um die Umstellung der Ernährung beurteilen zu können. Zusätzlich sollte dazu auch die Region als Untersuchungsebene betrachtet werden und die Umweltauswirkungen von Aquakulturen berücksichtigt werden.

Abschließend fassen die Autoren der Überblicksstudie zusammen, wie die Ergebnisse insbesondere auch politische Entscheidungsprozesse unterstützen können: Vor allem in Ländern mit einem höheren Einkommen ist eine Verbesserung der Umweltbedingungen möglich, wenn die Ernährungsrichtlinien überdacht werden – insbesondere bezüglich des Fleischkonsums und des Verzehrs von Milchprodukten.