Chancen und Risiken

Die aktuelle Fleischproduktion sowie der wachsende Fleischkonsum verschärfen den Welthunger und haben negative Auswirkungen auf die Umwelt, die menschliche Gesundheit und das Wohl der Tiere. Daher ist es erforderlich, Alternativen zur herkömmlichen Fleischproduktion und zum Fleischkonsum zu finden. Diskutiert werden auf unterschiedliche Art und Weise Optionen wie andere tierischen Proteinquellen (z.B. Insekten), Optimierung von pflanzlichen Fleischersatzprodukten (z.B. Tofu, Seitan, etc.) bis hin zu sozialen oder persönlichen Reformen, wie z.B. die Reduktion oder der Verzicht von Fleischkonsum. In-vitro-Fleisch stellt eine mögliche technische Alternative dar. Dabei ergeben sich Chancen und Risiken, die bei der Entscheidung, ob wir in Zukunft In-vitro-Fleisch essen, gleichermaßen Beachtung finden sollten.

Von Seiten der Innovatoren (derjenigen, die an In-vitro-Fleisch forschen oder diese Forschung unterstützen) werden viele Chancen genannt – vor allem steht das Versprechen im Vordergrund, In-vitro-Fleisch sei eine plausible technologische Lösung für die aktuell bestehenden Probleme der heutigen Fleischproduktion. In-vitro-Fleisch sei umweltfreundlicher, tierfreundlicher, gesünder und sicherer.

Unsere Aufgabe ist es daher, mögliche Chancen und Risiken weitestgehend vollständig aufzuführen und so Bürgerinnen und Bürgern als auch politischen Entscheidern eine Grundlage zur Meinungsbildung zu bieten. Diese Seite wird daher im Laufe des Projektes kontinuierlich ergänzt und aktualisiert.

Legende


Umwelt

Das Problem: Spätestens seit der Veröffentlichung des Berichtes der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO „Livestock’s Long Shadow“ im Jahre 2006 gibt es in der wissenschaftlichen Gemeinschaft ein wachsendes Bewusstsein, dass das aktuelle Niveau des Konsums tierischer Produkte (und insbesondere von Fleischprodukten) gravierende Auswirkungen auf die Umwelt hat und auch langfristig haben wird. Die landwirtschaftliche Haltung von Tieren trägt weltweit mit 18% zu den durch menschliche Handlungen verursachten Treibhausgasemissionen bei, insbesondere durch CO2 aus Brandrodung von (Tropen-)Wäldern für Futtermittelanbau und Weideland, Lachgas aus dem Einsatz von Düngemitteln zum Futtermittelanbau sowie Methan aus dem Verdauungsapparat der Wiederkäuer. Bei den Schadstoffemissionen steht unter besonderer Aufmerksamkeit die Nutzung von Stickstoff-Düngemitteln, die höhere Erträge ermöglichen, aber über die Austräge in Boden und Wasser schwerwiegende Folgen für die Gesundheit von Menschen haben können. Laut dem Bericht des European Nitrogen Assessment von 2014 stehen 79-88% der gesamten Emissionen von Ammoniak, Nitraten und Distickstoffoxid der europäischen Landwirtschaft im Zusammenhang mit der Haltung von Tieren. Sie beansprucht außerdem 8% des globalen Wasserverbrauchs, wobei 7% auf die Produktion der Tiernahrung entfallen. Für die Produktion von 1 kg Fleisch werden über 15.000 Liter Wasser benötigt, während die Produktion von 1 kg Kartoffeln nur 255 Liter verbraucht. Darüber hinaus wird bei der Produktion und dem Transport von Futtermitteln sowie bei der Aufzucht und Verarbeitung der Tiere viel Energie verbraucht. Last but not least werden für die Produktion von Fleisch immense Flächen zum Anbau von Futtermitteln sowie als Weideland benötigt. Diese Flächen können nicht für den Anbau von Nahrungsmitteln für Menschen genutzt werden und der große Flächenbedarf führt u.a. zur Zerstörung von geschützten Naturgebieten, wie beispielsweise von Tropenwäldern.

Die tatsächlichen Vorteile von In-vitro-Fleisch für die Umwelt sind wissenschaftlich kontrovers, da die Analysen der Wissenschaftler auf teilweise unterschiedliche Parameter beruhen. Solche Kalkulationen basieren in der Tat auf hypothetischen Szenarien , da es bis jetzt keine Methode zur großskalige Produktion von In-vitro-Fleisch gibt. Besonders umstritten sind die tatsächlichen Werte des Energieverbrauches in dem Vergleich zwischen In-vitro- und herkömmlichem Fleisch. Dagegen erscheint bis jetzt Konsens, dass die Produktion von In-vitro-Fleisch  einen geringeren Land- und Wasserverbrauch als herkömmliches Fleisch benötigt. Insbesondere zeigt In-vitro-Fleisch eine geringere ökologische Auswirkung auf dem Land zu haben, was die Produktion von Nitrogenen und Phosphaten (zwei wichtige Quellen von Land-Verschmutzung) darstellt.

  • Carolyn Mattick (und Kollegen) kommen 2015  zu unterschiedlichen Ergebnissen als Tuomisto und Teixeira de Mattos: Mattick und Kollegen kalkulieren, dass In-vitro-Fleisch bezüglich des potenziellen Beitrages zur Erderwärmung mehr Strom als die industrielle Produktion von Geflügel- und Schweinefleisch benötigt. Im Vergleich zu traditionellen Produktionsmethoden von Rindfleisch jedoch erscheint In-vitro-Fleisch vorteilhafter.

  • Eine Herausforderung für die In-vitro-Fleisch-Forschung ist es, energieeffiziente Bioreaktoren zu entwickeln, die eine Produktion von In-vitro-Fleisch im großen Stil ermöglichen.
  • Es muss ein Produktionssystem entwickelt werden, in dem alle Komponenten zu einem umweltverträglichen Herstellungsprozesses beitragen.
  • Es müssen weitere wissenschaftliche Studien gemacht werden, um die möglichen Umweltauswirkungen der Produktion von In-vitro-Fleisch abschätzen zu können.


Gesundheit

Das Problem: In den letzten Jahren stellen immer mehr Studien einen Zusammenhang her zwischen übermäßigem Fleischkonsum und Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder Diabetes Typ 2. Im Oktober 2015 wurde eine Studie der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht, die verarbeitetes Fleisch (z.B. Hackfleisch) als krebserregend und rotes Fleisch (Rind, Kalb, Schwein, Schaf, Lamm, Ziege) als wahrscheinlich krebserregend einstuft.

  • In-vitro-Fleisch könnte andere Eigenschaften haben als herkömmliches Fleisch. So könnten diejenigen Bestandteile des Fleisches, die z.B. Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen (z.B. Fette) bzw. krebserregend sind, durch andere Stoffe ersetzt werden. Dies hängt vor allem davon ab, ob in Zukunft neue Erkenntnisse über die einzelnen Bestandteile und ihrer möglichen gesundheitsschädlichen Wirkung gewonnen werden.
  • In-vitro-Fleisch könnte ein Nahrungsmittel werden, das mit zusätzlichen Nährstoffen angereichert wird und einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben soll (Functional Food). Es könnten beispielsweise Vitamine oder Omega-3-Fettsäuren zugesetzt werden. Jedoch sind die gesundheitlichen Wirkungen, die Functional Food zugeschrieben werden, wissenschaftlich kaum bewiesen (z.B. gesättigte durch ungesättigte Fettsäuren).

Die zunehmende Belastung von Fleisch mit Antibiotika, die den Tieren „vorsorglich“ verabreicht werden, führt zu resistenten Krankheitserregern, die nicht mehr mit Antibiotika behandelt werden können.

  • Es gibt Vermutungen, dass In-vitro-Fleisch solche Probleme nicht verursachen würde.

  • Allerdings wurde bei der Herstellung des ersten in vitro-Burgers, der im August 2013 in London präsentiert wurde, Antibiotika verwendet, weil  Zellkulturen kein Immunsystem haben. Laut Aussage des Forschers Mark Post sei dies jedoch nicht mehr nötig, sobald eine großskalige Produktion von In-vitro-Fleisch unter sterilen Bedingungen möglich ist. Es bleibt also vorerst unklar, ob und inwieweit Antibiotika notwendig für die Herstellung von In-vitro-Fleisch ist.

Es besteht die Gefahr von Zoonosen, also Infektionskrankheiten, die vom Menschen aufs Tier als auch vom Tier auf den Menschen übertragen werden können (z.B. BSE, MKS, SARS, etc.).

  • Bei der Herstellung von In-vitro-Fleisch gibt es keinen bzw. wenig Kontakt mit Tieren; dies reduziert die Gefahr von Zoonosen.

Ein gesundheitliches Risiko von In-vitro-Fleisch stellt der Wachstumsfaktor dar. Der derzeit effizienteste Wachstumsfaktor ist fötales Kälberserum. Dieses kann aufgrund der schweren Kontrollierbarkeit des Gesundheitszustands und der Haltungsbedingungen der Mutter-Kühe ansteckende Krankheiten enthalten. Die Forschung ist bemüht, eine tierfreie Alternative zu finden.

  • Anderweitige gesundheitliche Auswirkungen des Konsums von In-vitro-Fleisch sind noch nicht absehbar (vgl. gentechnische Veränderungen).

  • Es muss herausgefunden werden, wie Fleisch zusammengesetzt ist: Welche Bestandteile von Fleisch sind krankheits- bzw. krebserregend?
  • Wäre der übermäßige Konsum von In-vitro-Fleisch möglicherweise auch gesundheitsschädlich?


Schutz von Tieren

Das Problem: Durch die zunehmende Technisierung der Fleischproduktion verstärken sich die ethischen Probleme bezüglich der Haltung und Tötung von Tieren. Diese reichen von der Kastrierung ohne Betäubung, über die Entfernung der Hörner von Kälbern oder die Kürzung der Schnäbel von Küken und Mastputen, bis hin zu überzüchteten Tieren mit gesundheitlichen Problemen. Kurz gesagt: Tiere müssen mehr leiden, damit wir Fleisch in den von uns gewünschten Mengen (und zu einem geringen Preis) zu uns nehmen können. Auch in der sogenannten ökologischen Haltung werden Tiere in ihre Unversertheit  eingeschränkt: Kühe werden beispielsweise künstlich befruchtet und die Säugezeit der Ferkel wird häufig bereits am 18. Tag  unterbunden. Am Ende müssen alle Tiere sterben, um Fleisch zu werden.

  • Für In-vitro-Fleisch müssen keine Tiere sterben (wenn als Nährmedium nicht das fötale Kälberserum verwendet wird).
  • Ein einziges Tier könnte viele Menschen ernähren, weil es viele (somatiaschen Stamm-)Zelle weitergeben könnte: A single farm animal may be used to produce the world’s meat supply. Die massenhafte Haltung von Tieren wäre somit überflüssig.

  • Es bestehen noch Unklarheiten darüber, ob die Tierhaltung tatsächlich stark reduziert oder unnötig werden würde.
  • Das für eine Zellkultivierung notwendige Nährmedium besteht heute noch größtenteils aus fetalem Kälberserum, welches aus den noch schlagenden Herzen ungeborener und nicht betäubter Kälber gewonnen wird. Über den leidvollen Tod der Kälber hinaus können fragwürdige Produktionsbedingungen auch zu Gefahren für die menschliche Gesundheit führen.
  • Bei der Entwicklung von Verfahren zur Herstellung von In-vitro-Fleisch bzw. bei Grundlagenforschung im Bereich der Zellkultivierung oder regenerativen Medizin kommen Tierversuche zum Einsatz.
  • Die Entnahme von Muskelstammzellen (Muskelbiopsie) könnte Leiden beim Spendertier verursachen.

  • Alternativen zu fetalem Kälberserum müssten vor allem für eine leidfreie, aber auch für eine günstigere Herstellung von In-vitro-Fleisch entwickelt werden.
  • Welche Auswirkungen hat In-vitro-Fleisch auf die Beziehung zwischen Mensch und Tier?


Mensch-Tier-Beziehung

Das Problem: Die menschliche Ernährung ist viel mehr als ein Akt des biologischen Überlebens. Essen ist von Kultur und damit von Werten geprägt, von denen auch der Einsatz von Technologien im Essensbereich abhängt. Die großen Fragen, die hinter dem Verhältnis zwischen Essen und Technik stehen, sind letztlich Fragen über die Rolle des Menschen in der Natur. Innovationen wie In-vitro-Fleisch, die das sensible Feld der Ernährung betreffen, wirken sich auf ethische Vorstellungen, Konzeptionen des guten Lebens, Weltanschauungen und soziale Identitätsphänomene aus. Solche Auswirkungen lassen sich nicht nur einfach als Chancen und Risiken einordnen, sondern haben mit der Antizipation bzw. Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen sowie mit der ethischen Begründung dieser Innovation zu tun.

  • Der Gründer von Modern Meadow, Andras Forgacs, sieht in In-vitro-Fleisch eine Innovation, die der Gesellschaft einen moralischen Fortschritt bringen kann. Er betont beispielsweise in einigen Vorträgen, dass die Menschheit der Zukunft durch die Nutzung  von In-vitro-Leder und In-vitro-Fleisch zurückblicken und unsere Zeit der (industriellen) Tierhaltung und Tiertötung als Barbarei empfinden wird.
  • Hopkins und Dacey (2008) sehen in der Innovation keine Instrumentalisierung von Tieren, sondern von Zellen oder Geweben: die Einstellung zu Tieren werde auf diese Weise genauso respektvoll, wie sie auch Menschen gegenüber ist, die Blut, Zellen oder Geweben spenden. Sie bewerten die Abkopplung von Tier und Fleisch durch In-vitro-Fleisch positiv: Es kann sein, dass In-vitro-Fleisch für einige ethisch ansprechend ist, weil es weit weg von empfindungsfähigen Tieren ist. Für andere kann In-vitro-Fleisch ethisch ansprechend sein, weil es sich um Gewebe von Tieren handelt. In-vitro-Fleisch ist ein tierisches Produkt ohne Tiere.
  • In einer in den Niederlanden durchgeführten Studie mit Bürgerinnen und Bürgern wurden drei „moralische Profile“ bestimmt, die unterschiedliche Einstellungen zu dieser Innovation ausdrücken. In dem so genannten „vegetarischen Profil“ resultiert die positive Einstellung aus der Tatsache, dass sie eine Alternative zu der Tötung und massenhafter Haltung von Tieren anbietet. Diese Möglichkeit wird aus pragmatischen Gründen begrüßt, dar der Fleischkonsums in der Gesellschaft trotz der Anwesenheit von (pflanzlichen) Alternativen nicht abreißen werde. Das „Nachhaltigkeitsprofil“ drückt eine positive Einstellung gegenüber dieser Innovation aus, weil ihre Ökobilanz besser ist, als die der herkömmlichen industriellen Fleischerzeugung. In dem dritten moralischen Profil, das als „Schwein im Hinterhof“ bezeichnet wird, geht es um die Möglichkeit, Tiere im Hinterhof zu halten, damit sie als Quelle von Zellen für die Produktion von In-vitro-Fleisch dienen können. Die Funktion der Technik ist in diesem Profil positiv: Sie wird nicht als Entfremdung gesehen, sondern sogar als Mittel, um tiefere und engere Beziehungen mit den Tieren aufzubauen.

In vitro-Fleisch kann aber auch als Innovation gesehen werden, die sich negativ auf die Mensch-Tier-Beziehungen auswirkt, nämlich wenn sie die Herrschaft und die Machteinstellung des Menschen gegenüber anderen Tieren verstärkt.

  • Simon Fairlie betont in seinem Buch „Meat. A Benign Extravagance“ die Gefahr einer Ausrottung unseres Verhältnisses mit den Tieren durch diese Innovation, weil sie eine Entfernung des Menschen von der Natur durch die Abschaffung der Zucht unterstützen könnte. Ähnlich wie Umweltorganisationen wie Friends of the Earth und Greenpeace meint Fairlie, dass die Gefahren für eine nachhaltige Lebensweise nicht wirklich vom Fleischkonsum kommen, sondern eher von der Art und Weise der Fleischproduktion und des Volumens des Konsums. Er plädiert für ein Zurückbesinnen auf traditionellere Formen der Tierhaltung und für eine damit verbundene Reduktion des Fleischkonsums.
  • AutorInnen innerhalb der so genannten Critical Animal Studies sehen in der Innovation In-vitro-Fleisch die Gefahr einer Verstärkung der zentralen Rolle von Fleisch in der menschlichen Ernährung und damit eben keine Überwindung des Fleischparadigmas, also der gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit und Normalität, Fleisch zu konsumieren. Für John Miller gilt In-vitro-Fleisch als weiteres Symptom einer gewaltigen Unterjochung der Tiere. Es überträgt die Ideologie der menschlichen Herrschaft auf alle Tiere und geht gleichzeitig einen Schritt weiter, weil es die Botschaft von Vegetarismus bzw. Veganismus untergräbt: Die Wahl, ob man Fleisch konsumiert oder nicht, wird weniger wichtig. Ähnlich argumentiert Rasmus Simonsen, indem er betont, dass ein wichtiges Merkmal des ethischen Veganismus in seiner sozial störenden Funktion besteht: Veganismus als Einstellung richtet sich gegen das Fleischparadigma und ist Ausdruck des Unbehagens gegenüber tierischen Produkten – ein Unbehagen, das Motor für eine radikale Veränderung sein kann. In-vitro-Fleisch hebt dieses Unbehagen auf. Ein relevantes Merkmal des ethischen Veganismus hebt sich somit mit auf, nämlich die perfekte Abschaffung von Leid, die in starkem Zusammenhang steht mit einer Gesellschaftskritik an der Tierausbeutung. Simonsen geht auch auf die Problematik des fötalen Kälberserums als Wachstumsfaktor ein. Er sieht in der Tendenz, dieses zu unterspielen bzw. nicht zu thematisieren, ein Zeichnen der heutigen biopolitischen Neigung, Leben als Material zu verstehen, das problemlos wiedergestaltet werden kann. Mal gilt In-vitro-Fleisch als tatsächliches Fleisch aus Tieren, mal als ein von den Tieren abgetrenntes Produkt – je nachdem, was strategisch klüger erscheint. Wenn In-vitro-Fleisch die industrielle Produktion erreichen wird, dann wird eine große Menge von fötalem Kälberserum benötig. Wenn dagegen ein anderer Wachstumsfaktor erfunden und verwendet werden kann, ist das fötale Kälberserum kein Nebenprodukt der Fleischindustrie mehr.
  • Eine immer noch nicht adäquat beantwortete Frage in der Debatte betrifft die Zukunft der Tiere in einer Welt von In-vitro-Fleisch: Wie werden sie leben? Werden sie im Freien leben oder als optimierte Quelle von Zellen speziell dafür gezüchtet werden?


Welternährung

Wachsende Nachfrage FleischDas Problem: In den kommenden Jahrzehnen wird die globale Bevölkerungsdichte weiter ansteigen. Schon jetzt leiden weltweit 795 Millionen Menschen, das heißt jeder Neunte, an Hunger. Die weltweit wachsende Nachfrage nach Fleisch verschärft dieses Problem. Laut des UN-Umweltprogramms UNEP könnten die Kalorien, die bei der Umwandlung von pflanzlichen in tierische Lebensmittel verloren gehen, theoretisch 3,5 Milliarden Menschen ernähren.  Darüber hinaus wird auf die ineffiziente Umwandlung von Nahrungskalorien (in Form von pflanzlichem Futter) in Fleisch hingewiesen sowie auf das Problem der Übernutzung von Weideland.

  • Für die Produktion von In-vitro-Fleisch werden weniger Tiere benötigt. Weniger Tiere benötigen weniger Futter – dies würde zu einer starken Reduktion des Futtermittelbedarfs führen und Verteilungsprobleme entschärfen.
  • Durch eine effizientere Umwandlung von Nahrungskalorien könnten mehr Menschen ernährt werden; außerdem würde durch die geringere Anzahl benötigter Tiere weniger Weideland benötigt.
  • In-vitro-Fleisch könnte unter geringem Einsatz von Ressourcen regional produziert werden und könnte sich somit ebenfalls positiv auf die gerechte Verteilung von Nahrungsmitteln auswirken.

  • Greenpeace und Friends of the Earth zweifeln daran, dass die Ernährungsprobleme durch In-vitro-Fleisch zu lösen sind. Im Gegenteil könnten Investitionen in In-vitro-Fleisch weitere Investitionen in kleinbäuerliche Betriebe, die eine nachhaltige und ökologische Landwirtschaft verfolgen, verhindern, die aus Sicht dieser Organisationen die eigentliche Lösung für das Welternährungsproblem bieten.


Technisierung

Das Problem: Wir leben in einer Gesellschaft, die stark durch Technologien geprägt wird. Auch die Produktion von Nahrungsmitteln ist weitgehend technologisiert worden. Die meisten Produkte, die wir im Supermarkt kaufen können, sind Ergebnisse eines komplexen Herstellungsprozesses, den wir als Verbraucher selten in seiner Gesamtheit überblicken können. Auch Fleisch ist zu einem Produkt geworden, dass nur noch wenig mit dem Tier, das dafür geschlachtet wurde, zu tun hat.

  • Eine weitere Technologisierung der Herstellung von Fleisch in einem Labor könnte uns noch mehr von Tieren und der Natur entfernen.
  • Eine der größten Herausforderungen für In-vitro-Fleisch ist die Frage nach seiner Akzeptabilität und Akzeptanz. Sollen und wollen wir in Zukunft In-vitro-Fleisch essen?