Über VIF

Was ist VIF?

Visionen von In-vitro-Fleisch – Analyse der technischen und gesamtgesellschaftlichen Aspekte und Visionen von In-vitro-Fleisch (VIF) ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Projekt im Rahmen der Initiative „Innovations- und Technikanalyse (ITA)“. ITA ist eine informative und partizipative Plattform, auf der wissenschaftliche Erkenntnisse auf praktische Anwendungen hin überprüft werden können.

Wo ist VIF?

VIF ist ein interdisziplinäres Projekt, das am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) durchgeführt wird. Technikfolgenabschätzung (TA)  erforscht wissenschaftliche und technische Entwicklungen in Bezug auf systemische Zusammenhänge und Technikfolgen und entwirft Handlungs- und Gestaltungsoptionen. Im Projekt VIF geht es insbesondere um die Analyse der gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Aspekte der Visionen der heutigen In-vitro-Fleisch-Forschung.

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Projektbeschreibung

Die heutige und zukünftige Ernährung steht vor neuen Herausforderungen. Mit zunehmender wissenschaftlicher Evidenz zeigt sich, dass die Haltung und Nutzung von Tieren in der Landwirtschaft in ihrer derzeitigen Form nicht nachhaltig gestaltet werden kann, sodass eine Änderung im Konsum von tierischen Produkten erforderlich ist (u.a. FAO 2014). In den letzten Jahren ist die Herstellung von In-vitro-Fleisch aus tierischen Muskelstammzellen, die durch eine Muskelbiopsie gewonnen werden, möglich geworden. Der Durchbruch innerhalb der Forschung gelang im August 2013: Mark Post und seine Forschungsgruppe an der Universität Maastricht stellten in einer Pressekonferenz den ersten In-vitro-Fleisch-Burger vor, welcher aus Rinder-Stammzellen hergestellt wurde.

Obwohl In-vitro-Fleisch heutzutage noch nicht für eine großskalige Produktion geeignet ist, wird sie in den letzten Jahren von einer wachsenden wissenschaftlichen Gemeinschaft enthusiastisch begrüßt: In-vitro-Fleisch wird als Innovation für eine nachhaltige Entwicklung präsentiert, die jedermann einen verantwortungsvollen Umgang mit kommenden Generationen, der Umwelt und den Tieren ermöglicht.

Die naturwissenschaftliche Forschung zu In-vitro-Fleisch nimmt global zu, dessen ethische, soziale und politische Aspekte bleiben aber wenig erforscht. Vor allem im deutschsprachigen Raum existiert kaum Publikation zu diesem Thema und insbesondere von Seiten der TA liegen bislang keine Studien vor. Viele Aspekte bezüglich dieser Innovation bleiben unklar. So sind etwa die tatsächlichen ökologischen Vorteile dieses Wechsels, die gesellschaftlichen Bedingungen der Akzeptanz dieser Innovation und die kulturellen Auswirkungen auf Landwirtschaft, Ernährung sowie auf das Mensch-Tier-Verhältnis nicht bekannt bzw. nicht erforscht.  In-vitro-Fleisch ist eine neue und emergierende Technologie in einer sehr frühen Phase eines Innovationsprozesses, die nicht nur forschungspolitisch relevant ist, sondern auch das Potenzial für eine große Veränderung von Essgewohnheiten aufweist. Die Angemessenheit und Robustheit dieser Vision sind im Sinne der Politik eines innovativen Deutschlands erstmals zu überprüfen. Das vorliegende Projekt zielt darauf ab, Wissen zu generieren, um die Relevanz dieser Innovation für eine nachhaltige Landwirtschaft und somit eine gerechte Gesellschaft abzuschätzen.