Second International Conference on Cultured Meat in Maastricht

Vom 9. – 11. Oktober 2016 waren Silvia und Inge aus dem VIF-Team auf der Second International Conference on Cultured Meat in Maastricht (Niederlande). Auf der Konferenz waren viele bekannte Gesichter aus der In-vitro-Fleisch-Community anwesend. Neben sehr fachspezifischen Vorträgen über Tissue Engineering, 3D-Druck und Zellkultur gab es zwei Diskussionsrunden zu der Frage, wie die Lebensmittelindustrie und Regierungen in die Entwicklung von In-vitro-Fleisch einbezogen werden können. Es diskutierten u.a. Isha Datar von New Harvest, Uma Valeti von Memphis Meats und und Abi Glencross, die am King’s College in London an In-vitro-Steak arbeitet. In der Vortragsreihe zur Konsumentenakzeptanz stellten wir unser Projekt und erste Ergebnisse unserer Experten- und Stakeholderinterviews sowie der Fokusgruppen vor. Am Abend wurden wir zur Ausstellungseröffnung der Ausstellung „Meat the Future“ im Cube Design Museum in Kerkrade (Niederlande) eingeladen. Dort werden noch bis Juni 2017 Arbeiten u.a. von Koert van Meersvort (Next Nature Network) zum Thema In-vitro-Fleisch (In Vitro Meat Cookbook) sowie bis Januar 2017 Objekte aus dem 3D-Drucker vorgestellt. Auf der Konferenz ging es vor allem um die großen Herausforderungen für ein Produktionssystem im großen Maßstab. Einige Elemente des Herstellungsprozesses müssen noch weiter erforscht werden:  So ist man zum Beispiel auf der Suche nach einem geeigneten Nährmedium, das nicht tierischen Ursprungs ist sowie geeigneten Materialien für eine Umgebung (ex vivo) für die Zellen, die den Umweltbedingungen im Körper (in vivo) möglichst nahe kommt. Besonders interessant war der Vortrag eines japanischen Biohackers, der versucht, In-vitro-Fleisch mit einfachen Mitteln in der Privatwohnung herzustellen. Zu diesem Thema hat das Projekt „Shojinmeat“ sogar ein Manga-Heft für ein fachfremdes Publikum veröffentlicht.

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Interessant war auch die Präsentation des The Good Food Institute, das mit drei Vorträgen sehr präsent war. Das Good Food Institute fördert Projekte und vernetzt Innovatoren, Investoren und Unternehmern, die an In-vitro-Fleisch arbeiten oder pflanzliche Alternativen zu Fleisch, Milch und Eiern entwickeln.  Das Good Food Institute bezeichnet In-vitro-Fleisch als „clean meat“, während New Harvest sowie Mark Post und Kollegen nach wie vor von „cultured meat“ sprechen. Wie schon im letzten Jahr wurden wir daher gefragt, weshalb wir den Begriff „In-vitro-Fleisch“ verwenden. Auch in diesem Jahr war unsere Antwort, dass „In-vitro-Fleisch“ nicht das Problem der Zweideutigkeit hat, wie etwa „kultiviertes Fleisch“. Diese Zweideutigkeit mag von den Innovatoren zwar erwünscht sein (siehe dazu den Artikel von Isha Datar in „Food Phreaking“), aber für unser Forschungsprojekt passt der Begriff „In-vitro-Fleisch“ am besten. Er weist auf die Art und Weise der Herstellung hin und ist daher ein technischer Begriff, der eher neutral-beschreibend ist. Ob er eine abschreckende Wirkung auf potentielle Kunden haben wird, spielt für unsere Forschung momentan keine Rolle. Alles in allem haben wir wieder einmal einen guten Überblick über die In-vitro-Fleisch-Community bekommen, was uns im weiteren Projekt weiterhelfen wird, wenn es darum geht, die Visionen der Innovatoren zu untersuchen.