Shojinmeat Project – Biohacking im Badezimmer

Auf der 2. International Conference on Cultured Meat konnte das VIF-Team eine spannende Präsentation verfolgen: Shojinmeat Project hat seine Arbeit vorgestellt. Shojinmeat Project ist eine japanische NPO (Non Profit Organization), die es sich zum Ziel gesetzt hat, In-vitro-Fleisch kostengünstig im großen Maßstab produzierbar zu machen. Derzeit besteht Shojinmeat aus fünf Biohackern, einem Chemiker, zwei Beratern und mehreren ExpertInnen aus Soziologie und Anthropologie. Unter Biohackern versteht man (nicht unbedingt ausgebildete) BiologInnen, die im eigenen Zuhause oder in selbst aufgebauten Laboren sozusagen in Eigenregie Versuche mit biologischen Prozessen durchführen. Unterstützt werden sie von einigen engagierten Studierenden, KünstlerInnen und AutorInnen. Das Interesse des Teams geht aber weit über In-vitro-Fleisch hinaus: von regenerativer Medizin bis hin zu Landwirtschaft im Weltraum. Gemeinsam mit anderen NPOs stehen sie im Dialog mit der Öffentlichkeit, um eine cellular agriculture aufzubauen, eine Landwirtschaft auf der Basis von Zellforschung, die im Labor und nicht mehr auf Feldern stattfindet.

Da Fleischkonsum der Umwelt schadet, aber global immer weiter ansteigt, arbeitet das Shojinmeat-Team an der Entwicklung von Zellkulturen im industriellen Maßstab. Die größte Schwierigkeit besteht aus ihrer Sicht darin, die Zellkulturen zu einem erschwinglichen Preis herzustellen. Daher konzentriert sich Shojinmeat derzeit auf die Entwicklung von billigem Nährmedium und darauf, den Kultivierungsprozess der Zellen effizient zu machen. Dafür besetzen die Biohacker auch mal das heimische Badezimmer, um an der Herstellung von Hefe als Nährmedium aus gewöhnlichem Hundefutter zu arbeiten.

Shojinmeat kann bereits auf einige Erfolge verweisen. Beispielsweise ist es ihnen gelungen, die Kosten für das Nähmedium zur Herstellung von 100g Leberzellen von 400.000$ auf 4.000$ zu reduzieren, indem sie die Zellen in einem System kultiviert haben, das den In-vivo-Prozess simuliert. Durch zusätzlichen Austausch des ursprünglichen Nährmediums durch das eigene, serumfreie Nährmedium, konnten die Kosten sogar auf 600$ gesenkt werden. Derzeit arbeitet das Team an der Überprüfung der Reproduzierbarkeit, Wiederholbarkeit etc.

Das Nährmedium ist ein großer Kostenfaktor bei der Herstellung von In-vitro-Fleisch. Das aktuelle Ziel von Shojinmeat ist es, die Kosten um einen dreistelligen Bereich zu reduzieren – doch für diese radikale Veränderung muss eine neue Methode her. Das Teure am Nährmedium ist das fötale Kälberserum, das außerdem auch anfällig für bestimmte Krankheitserreger ist. In Versuchen haben Shojinmeat gezeigt, dass das von ihnen entwickelte serumfreie Nährmedium funktioniert. Allein dadurch konnten die Kosten schon auf ein Sechstel reduziert werden. Shojinmeat forschen weiter daran, es noch billiger werden zu lassen – und daran, Wachstumsfaktoren billig oder sogar überflüssig werden zu lasssen.

Shojinmeat arbeitet aber natürlich auch an dem, was sie das„ultimative Ziel“ nennen: die Kultivierung von Muskelzellen, woraus schlussendlich In-vitro-Fleisch entstehen kann. Einige der Resultate aus dieser Forschung sind sogar in ein Mangacomic umgesetzt worden, das aber leider nur auf Japanisch erhältlich ist.