Ernährungsszenarien in der Kunst: „The Future of Meat“

In-vitro-Fleisch kann nicht nur aus wissenschaftlicher Perspektive betrachtet werden. Eine ebenso gute Möglichkeit, sich mit der Innovation zu befassen, bietet eine künstlerische Herangehensweise. Die Geschwister Madelaine und Anna Berlis aus den Niederlanden haben diesen Weg gewählt und die Installation „The Future of Meat“ entwickelt, mit der fünf Ernährungsszenarien für das Jahr 2050 dargestellt werden. Das Ergebnis soll zukünftig an verschiedenen Orten in Deutschland und den Niederlanden gezeigt werden – leider ist noch nicht bekannt, wo genau die Installation stationieren wird.

Madelaine und Anna Berlis malen sich in ihrem Werk aus, wie die Welt aussehen könnte, wenn die Menschen sich 2050 entweder von Insekten ernährten, In-vitro-Fleisch äßen, weniger und ausschließlich lokales Fleisch zu sich nähmen, fleischfrei lebten oder gar nichts gegenüber dem bisherigen Fleischkonsum veränderten.

Die Ernährungsszenarien: Auswirkungen auf Natur, Landwirtschaft und den Menschen

In der Darstellung der fünf Szenarien werden jeweils die Auswirkungen der unterschiedlichen Ernährungsweisen auf die Natur, die Landwirtschaft und den Menschen aufgezeigt. So beschreiben die Geschwister Berlis bezüglich In-vitro-Fleisch etwa, dass unsicher sei, ob die Natur sich wieder von der Massentierhaltung erholen könne. In-vitro-Fleisch würde ihren Schätzungen zufolge 600-900 Milliarden Biogasanlagen hervorbringen – der Landverbrauch könnte demnach nicht wirklich gesenkt werden. Der Mensch würde sich zudem weiter von der Herkunft seiner Nahrung entfernen und die Beziehung zu dem verlieren, was er isst.

Ähnlich schlecht kommt das Szenario weg, in dem die Menschen ihren derzeitigen Fleischkonsum beibehalten. Sowohl für Natur als auch die Landwirtschaft und den Menschen sähe es schlecht aus. Auch in diesem Szenario wäre die Beziehung zwischen Mensch und dem ursprünglich aus der Natur stammenden Nahrungsmittel zerstört.

Am nachhaltigsten – sogar nachhaltiger als eine fleischlose Ernährung – erscheinen in der Installation die Szenarien, in denen Insekten als Nahrungsmittel dienten oder weniger und ausschließlich lokal produziertes Fleisch gegessen würde. In beiden Fällen sei eine Regeneration der Natur und eine nachhaltige Landwirtschaft möglich, was letztlich zu einem besseren Leben für den Menschen führte.

Der Mensch muss sich entscheiden

Nachdem sich der Besucher mit den verschiedenen Szenarien befasst hat, soll er in der Lage sein, sich für ein Ernährungsszenario zu entscheiden, auf das er hinarbeiten möchte. Die Installation ist nicht dazu gedacht vorzuschreiben, welches Szenario das beste sei und wie zukünftig gehandelt werden sollte. Vielmehr gehe es den Entwicklerinnen darum, zum Nachdenken anzuregen und Diskussionen auszulösen, die in eine bessere Welt münden können. Die Entwicklung einer nachhaltigeren Ernährung für die Zukunft sei eine Herausforderung, die nur gemeinsam gemeistert werden könne.

Ähnliche Ansichten und Ziele haben auch andere Ausstellungsprojekte, wie etwa „Meat the Future“ im Cube Design Museum in Kerkrade. Koert van Mensvoort, Kurator der Ausstellung, zeigt darin 30 Zuchtfleischgerichte, wie sie In-vitro-Fleisch denkbar werden lässt. Auch hier soll dem Besucher die Möglichkeit der Entscheidung für eine bessere Zukunft gegeben werden:

Wir wollen nicht die Zukunft voraussagen, sondern vielmehr eine Skala an potenziellen Nahrungsprodukten und Esskulturen zeigen, die uns bei der Entscheidung helfen kann, welche Zukunft wir uns eigentlich wünschen. Vorerst wünschen wir eine schmackhafte Diskussion!Koert van Mensvoort