Über Fleisch ohne Tiere: Ein Podiumsgespräch wichtiger Akteure

Im Januar dieses Jahres trafen sich auf einer Podiumsdiskussion in den USA wichtige Akteure zu In-vitro-Fleisch und Tierschutz. Das McCoy Family Center for Ethics in Society der Universität Stanford organisierte die Veranstaltung und stellte dafür ein fünfköpfiges Expertenteam aus verschiedensten Bereichen zusammen. Naomi Starkman, Chefredakteurin der Nachrichtenquelle Civil Eats, moderierte durch den Abend. An ihrer Seite saßen Paul Shapiro, der Vizepräsidenten der Tierschutzorganisation Human Society of the United States und Uma Valeti, der Generaldirektor des US-Start-ups Memphis Meats. Zudem sprachen die Philosophin Cor van der Weele von der niederländischen Universität Wageningen sowie der Geschäftsführer der Non-Profit-Organisation The Good Food Institute, Bruce Friedrich.

Die Experten brachten während des Podiumsgesprächs interessante Einblicke in diverse Perspektiven zur sogenannten „zellularen Landwirtschaft“ (cellular agriculture) – der Produktion landwirtschaftlicher Produkte aus Zellkulturen, darunter die Herstellung von Fleisch, Milch, Eiern und Leder. Im Verlauf der Diskussion wurde das Publikum eingebunden und ihm die Möglichkeit gegeben, einige Fragen zu stellen.

Wie reagiert die Gesellschaft auf In-vitro-Fleisch? Wird sie In-vitro-Fleisch als Alternative akzeptieren und regelmäßig konsumieren? Ein Großteil der Beiträge der Experten drehte sich um diese Fragen. Cor van der Weele klärte über ihr Forschungsthema zur Ambivalenz der Menschen hinsichtlich Fleischkonsum auf. Sie sprach darüber, wie Menschen auf der einen Seite vehement auszublenden versuchen, woher ihr Fleisch stammt und wie es hergestellt wird, und gleichzeitig große Bedenken haben, was die Welternährung angeht.

Uma Valetis Start-up Memphis Meats stellt bereits in kleinen Mengen In-vitro-Fleisch her und möchte es bald auf einem weltweiten Markt etablieren. Zusammen mit Bruce Friedrich setzt er sich dafür ein, dass die Gesellschaft einer kommerziellen Verbreitung von In-vitro-Fleisch positiv gegenübersteht. Beide möchten mit potentiellen gesundheitlichen, ökologischen sowie tierethischen Vorteilen von In-vitro-Fleisch gegenüber herkömmlichem Fleisch überzeugen. Die zwei Experten zeigten sich äußerst optimistisch, was die zukünftige Entwicklung angeht. Valeti sieht beispielsweise eine Zukunft, in der der Prozess der Produktion von Nahrungsmitteln transparenter wird:

I truly believe that transparency of the food production process is going to be the norm and everyone is going to start asking where the food came from. And that is going to shine light on what people have always taken for granted. – Uma Valeti

Paul Shapiro von der Human Society of the United States, der größten Tierschutzorganisation der Welt, erläuterte, warum es eine Veränderung in der heutigen Nutztierhaltung geben muss. Er fordert eine nachhaltigere und gleichzeitig realistische Art der Fleischherstellung, wobei er in In-vitro-Fleisch eine gute Lösung sieht. Ein weiterer Aspekt des Abends war die Frage nach der Regulierung und Kontrolle des Staates. Paul Shapiros Tierschutzorganisation etwa kämpft dafür, neue Produktionsstandards einzuführen und die Preise für Fleisch zu erhöhen, um das Leiden der Tiere zu verringern.

Abgesehen von der Podiumsdiskussion organisierten die Veranstalter einen Workshop, der einigen Studenten der Universität Stanford die Möglichkeit gab, mit den Experten persönlich ins Gespräch zu kommen.

Weitere Informationen zu den Experten können Sie auf der VIF-Seite über die Akteure zu In-vitro-Fleisch oder auf den folgenden Seiten nachlesen: