VIF auf der IPA-Konferenz in Hull

Vom 5. – 7. Juli 2016 fand in Kingston upon Hull, einer Stadt nahe der Ostküste Englands, die 11. Interpretive Policy Analysis-Konferenz (IPA-Konferenz) statt. Die Konferenz wurde von der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Hull organisiert. Inge Böhm war für uns dort, um unser Projekt vorzustellen und mit anderen Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen der Geistes- und Sozialwissenschaften ins Gespräch zu kommen.

IPA-Konferenz IVIF auf der IPA-Konferenz

Im Rahmen des Podiums zum Thema Ernährungspolitik hatten wir die Möglichkeit, unser Projekt sowie unsere bisherigen Ergebnisse rund um Visionen von In-vitro-Fleisch vorzustellen. Ein Fokus lag dabei vor allem auf der Argumentation der Innovatoren für In-vitro-Fleisch [siehe Abbildung], die grundsätzlich davon ausgeht, dass der heutige Fleischkonsum sowie die Produktion von Fleisch ein Problem darstellen. Da In-vitro-Fleisch als Lösung dieses Problems vorgestellt wird, funktioniert diese Argumentation nur, wenn man Fleischproduktion und -konsum auch als Problem ansieht. Es kann jedoch behauptet werden, dass Fleischproduktion und -konsum in Politik und Gesellschaft (noch) nicht als Problem wahrgenommen werden bzw. (noch) keine Auseinandersetzung mit dem Thema erfolgt ist. Beispielsweise wurde das Thema im Rahmen von Klimaschutz-Verhandlungen nie aufgegriffen, obwohl zahlreiche wissenschaftliche Studien und einige zivilgesellschaftliche Gruppen darauf hinweisen, dass die heutige Fleischproduktion und der hohe Konsum von Fleisch erheblich zum Klimawandel beitragen.

Darüber hinaus wurden sehr viele verschiedene, spannende Themen in kleinen Podien diskutiert: Energie, Gesundheit, Tierschutz, Immigration und Asyl, Bildung – immer in Bezug auf politische und gesellschaftliche Diskurse, Initiativen und Handlungen. Es wurde aber auch über verschiedene wissenschaftliche Ansätze und deren theoretische Grundlagen diskutiert; so beispielsweise über kritische Diskursanalyse, Aktionsforschung, soziale Innovationen und Science and Technology Studies (STS). An der Konferenz nahmen rund 250 Wissenschaftler aus aller Welt teil.

Interpretive Policy Analysis (IPA)

Dvora Yanow schreibt in ihrem Buch „Conducting Interpretive Policy Analysis“ (2000), es sei die Aufgabe der Interpretive Policy Analysis, politischen Entscheidern (policy makers) und Bürgern eine intelligente Basis zur Diskussion und Beurteilung widerstreitender Ideen, Vorschläge und Resultate (outcomes) bereitzustellen. Auf der Konferenzhomepage wird Interpretive Policy Analysis so verstanden:

Interpretive policy analysis engenders and embraces research which extends across the social sciences and which is applied to a vast range of policy topics. The common interest of interpretive approaches to policy analysis is the recognition of the importance of discourse, meaning making, interpretation and the performance of social practices both in devising and in enacting policy.“

Der Ansatz der Interpretive Policy Analysis  erstreckt sich über die gesamte sozialwissenschaftliche Forschung und kommt bei vielen unterschiedlichen politischen Themen zur Anwendung. Gemeinsames Interesse dieses interpretativen Ansatzes ist die Anerkennung der Wichtigkeit von Diskursen, Bedeutungsgebung (meaning making) sowie Interpretation und Ausführung sozialer Praktiken im Rahmen der Entwicklung und dem Beschluss von Policies.

Eindrücke

IPA-Konferenz The Deep Hull  IPA-Konferenz III  IPA-Konferenz II

Kleiner Hinweis: Die Stadt Hull ist 2017 die UK City of Culture