VIF im Zukunftsraum: Vortrag und Diskussion

Am 30. März 2017 hielt das VIF-Team im Zukunftsraum für Nachhaltigkeit und Wissenschaft in der Karlsruher Oststadt einen Vortrag, um interessierte Bürgerinnen und Bürger über In-vitro-Fleisch zu informieren. Auch in der anschließenden Diskussion wurden viele spannende Aspekte zur Sprache gebracht. Der Zukunftsraum ist eine Initiative der ITAS-Projekte Quartier Zukunft – Labor Stadt und Reallabor 131 – KIT findet Stadt.

Wie die Welt mit In-vitro-Fleisch einmal aussehen könnte

„Als um 8.00 Uhr der Wecker klingelt, startet Tim in einen ganz normalen Tag wie jeden anderen.“ So beginnt das Zukunftsszenario, mit dem VIF zu Anfang des Vortrags die Aufmerksamkeit der Zuhörenden einfing. „Tim fährt auf dem Weg zur Uni an der Gemeinschaftswiese vorbei und geht die Schweine füttern. (…) Es ist schon lange völlig normal, dass jede Kommune auf einer hübschen Grünfläche irgendwo recht zentral in der Stadt oder im Dorf die eigenen Schweine hält, die von den Anwohnern umsorgt werden. Die Schweine sind in das Leben der Menschen integriert wie Haustiere. (…) Tim studiert Technikgeschichte. Über die Inhalte des heutigen Seminars, die Entwicklung der Fleischproduktion und des Fleischkonsums, kann er nur den Kopf schütteln. Die Professorin berichtet vom frühen 21. Jahrhundert, was eigentlich noch gar nicht so lange her ist. Ist es wirklich wahr, dass Tiere damals massenweise zusammengepfercht und gemästet wurden, dass sie wie leblose Produkte behandelt wurden, nur zu dem Zweck, vom Menschen gegessen zu werden? Und dass es sowohl rechtlich als auch gesellschaftlich völlig legitim war, sie leiden zu lassen? Tim ist froh, dass das vor seiner Zeit passiert ist und es solche Praktiken heutzutage nicht mehr gibt.“

Dies sind Ausschnitte des Beispielszenarios von VIF, das schildert, wie die Zukunft aussehen könnte, wenn In-vitro-Fleisch sich durchsetzen würde. Das Szenario enthält auch Erzählungen über einen Bioreaktor in der eigenen Küche, in dem Fleisch mit individualiserten Zusatzstoffen gezüchtet werden kann. Oder über sogenannte „Meathacker“, die sich vereinigen, um mit Fleisch aus menschlichen Stammzellen zu experimentieren.

Chancen und Risiken: Eine spannende Diskussion

Im weiteren Verlauf stellten die Vortragenden den Herstellungsprozess vor, fassten Argumente von Wissenschaftlern und Experten der Technologie zusammen und erläuterten den Stand der Forschung. Anschließend sollten die Anwesenden für sich aufschreiben, was sie über In-vitro-Fleisch denken.

Auch ökologische, gesundheitliche und tierethische Aspekte ließ VIF nicht aus. Ist die Herstellung von Fleisch aus dem Labor gegenüber der herkömmlichen Fleischproduktion wirklich umweltfreundlicher und der Konsum gesünder? Und werden Tiere tatsächlich einmal zu gleichbehandelten Wesen und als „Haustiere“ gehalten, wie es im Zukunftsszenario vorgestellt wurde, oder werden sie doch nur als „Lieferanten“ von Stammzellen ausgenutzt, wie es einige Vertreter von Tierrechten befürchten? Als das VIF-Team weitere Visionen und Meinungen über die Zukunft der Ernährung aus ihren Experteninterviews und Fokusgruppen vorbrachte, wurde deutlich: Die beste Lösung wäre es, den allgemeinen Fleischkonsum um mindestens 50 Prozent zu reduzieren, um von der Massentierhaltung wegzukommen – doch diese Vision wird von vielen In-vitro-Fleisch-Forschern und -Befürwortern als unrealistisch angesehen. Sie sehen die In-vitro-Fleisch-Technologie von daher als die bestmögliche Alternative an.

Nach dem Vortrag wurde das Publikum noch einmal gefragt, was es nun über In-vitro-Fleisch denkt. Einige berichteten, sie seien jetzt noch skeptischer als vorher, da von Innovatoren und Akteuren vieles versprochen wird, das noch nicht genau erforscht wurde.

Die Diskussion beleuchtete viele interessante Aspekte: Was würde in Zukunft mit anderen tierischen Produkten wie Milch und Eiern passieren, für die die Tiere auch in der Massentierhaltung gehalten werden? An einer Lösung hierfür arbeiten Start-ups wie New Harvest und Modern Meadow, die auch diese Produkte künstlich herstellen wollen, um den gesamten Bereich abzudecken. Ein weiterer Gast fragte sich, ob In-vitro-Fleisch mit zusätzlichen Nährstoffen denn wirklich gesünder sein würde, da die tatsächlichen Auswirkungen des Verzehrs von In-vitro-Fleisch noch unklar sind. Auch über ökologische Aspekte und gesellschaftliche Akzeptanz wurden Meinungen ausgetauscht. Die meisten Anwesenden fanden es sehr wichtig, dass an Alternativen für die Massentierhaltung geforscht wird, konnten sich aber nicht vorstellen, das von ihnen als „unnatürlich“ empfundene In-vitro-Fleisch einmal regelmäßig zu essen.

Die Präsentation des Vortrags und weitere Informationen zum Zukunftsraum der Oststadt gibt es in unserem Blogbeitrag und unter diesen Links: