Zelluläre Landwirtschaft als Ernährungszukunft?

Beitrag von Kerstin Syré im Rahmen eines vierwöchigen Praktikums bei VIF (September 2017)

Unter zellulärer Landwirtschaft wird ein interdisziplinäres Forschungsgebiet mit Ansätzen aus der Medizin und der Landwirtschaft bezeichnet. Dazu zählen unter anderem Forschungsansätze der synthetischen Biologie, des Tissue Engineering sowie der Materialwissenschaften und des Bioengineering. Ziel der zellulären Landwirtschaft ist es, tierische Produkte wie Milch, Fleisch oder Ei durch modernste technologische Verfahren und somit durch tierfreie Produkte zu ersetzen. Der Begriff „zelluläre Landwirtschaft“ (cellular agriculture) wurde von der US-amerikanischen Organisation New Harvest geprägt und bezeichnet damit nicht nur ein Forschungsgebiet, sondern steht auch stellvertretend für eine ganze Bewegung.

Ziel der zellulären Landwirtschaft ist es, tierische Produkte wie Milch, Fleisch oder Ei durch modernste technologische Verfahren und somit durch tierfreie Produkte zu ersetzen.

Die ersten Produkte der zellulären Landwirtschaft waren, so New Harvest, Insulin oder der Proteinkomplex Rennet, welcher Milch gerinnen und zu Milchprodukten weiterverarbeiten lässt. Durch Massentierhaltung und Klimawandel wurde die Idee immer konkreter, Alternativen für Tier-Produkte auf zellulärer Basis zu entwickeln. Allerdings eignet sich nicht jeder Zelltyp dazu, es müssen entsprechende Kriterien wie zum Beispiel eine hohe Proliferationsrate, Oberflächen- oder Serum-Unabhängigkeit erfüllt sein. Bisher werden an Produkten wie Milch, Ei, Fleisch, Gelatine, Kaffeebohnen, Parfum, Seide oder Leder geforscht.

Zwei Non-Profit-Organisationen in den USA haben es sich zur Aufgabe gemacht, Start-ups mit der Vision, tierfreie Produkte herzustellen, zu unterstützen. Eine der NGOs ist New Harvest, welche ihren Sitz in New York hat. New Harvest wurde 2004 von Jason Matheny gegründet, welcher sich vor allem für die Herstellung von In-vitro-Fleisch interessierte. Mit der neuen Direktorin Isha Datar (seit 2013), wurde der Fokus der Organisation auch auf die Herstellung von Ei- und Milch-Alternativen erweitert. Die zweite Organisation ist The Good Food Institute.

2014 gründete Isha Data zusammen mit Perumal Gandhi und Ryan Pandya das Start-up Muufri, welches später seinen Namen in Perfect Day änderte. Perfect Day entwickelt eine Milch ohne Kühe.

Ein Jahr später wurde das Start-up Clara Foods zusammen mit David Anchel und Arturo Elizondo gegründet. Clara Foods hat seinen Sitz in der San Francisco Bay und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Eiweiß ohne Hennen zu entwickeln. Eiweiß besteht aus 12 Haupt-Komponenten. Die Gene dieser Proteine wurden in Hefebakterien übertragen, sodass die Hefe nun die gewünschten Proteine synthetisiert. Nachdem die Hefe genügend Proteine erzeugt hat, werden diese von der Hefe separiert, sodass die Proteine weiter zu Eiweiß verarbeitet werden können. Dieses Verfahren weist einige Vorteile gegenüber der kommerziellen Produktion von Hühnereiern auf. So soll laut dem Jungunternehmen Wasser- und Land-Verbrauch geringer sein und das neue Eiweiß wäre cholesterin- und keimfrei. Die Risiken von durch Salmonellen erzeugten oder anderen Krankheiten wäre um ein Vielfaches geringer. Da ein einfacher Organismus wie Hefe verwendet wird, welcher seine Verdopplungszeit bei nur einigen Stunden hat, würden durch dieses Verfahren schneller Proteine hergestellt werden. Im Gegensatz dazu steht die Eiproduktion einer Henne, welche meistens erst im Alter von 6 Monaten mit dem Eierlegen beginnt.

Noch ist die Herstellung einer Milch ohne Kühe oder Eiern ohne Hennen in der Entwicklung, aber es könnte durchaus möglich sein, dass sie es in den nächsten Jahren auf den Markt schaffen.